Die VGP Prüfung: Meisterprüfung für den Jagdhund
Derby und VJP fragen nach Anlagen, Solms und HZP nach den ersten Grundlagen der Abrichtung. Die VGP Prüfung fragt etwas anderes: Ist dieser Hund für die Jagd fertig? Der Jagdgebrauchshundverband (JGHV) nennt die Verbandsgebrauchsprüfung eine Prüfung auf dem Niveau einer Meisterprüfung. Geprüft wird der Hund in allen Arbeiten, die ihm nach dem Schuss und vor dem Schuss im Jagdalltag begegnen. Wer die Aufgaben der VGP Prüfung aus Wald, Wasser und Feld übt, bereitet den Hund auf echte Jagdarbeit vor. Einen Deutsch Kurzhaar zur VGP zu führen ist für viele Führer der Abschluss von zwei Ausbildungsjahren.
Für den Jagdhund ist das die Prüfung, an der sich ein ganzes Ausbildungsjahr messen lässt. Ein Deutsch Kurzhaar, der die VGP bestanden hat, hat gezeigt, dass er im Wald auf der Wundfährte arbeitet, im Schilf stöbert, im Feld sicher vorsteht und dabei gehorsam bleibt. Laut Standard ist der Kurzhaar ein „vielseitig einsetzbarer Jagdgebrauchshund“. Die VGP ist der Ort, an dem diese Beschreibung geprüft wird.
Dass gerade der Kurzhaar eng mit dieser Prüfung verbunden ist, belegt eine Zeile aus der Chronik des DK-Verbands. Der erste Hund, der ins Jagdgebrauchshundestammbuch (DGStB) eingetragen wurde, war ein Deutsch Kurzhaar, und zwar auf Grund einer bestandenen VGP.
Vorher hat der Hund in der Regel Solms oder HZP gelaufen. Nach der VGP kommen Zusatzprüfungen wie die Bringtreueprüfung und die Schweißprüfungen VSwP und VFsP. Den ganzen Weg zeigt der Überblick Prüfungen für Jagdhunde.
Zulassung, Alter und zwei Prüfungstage
Die Verbandsgebrauchsprüfungsordnung (VGPO) des JGHV regelt die Zulassung knapp. Drei Punkte sind entscheidend:
- Eine VGP darf erst ab dem 1. September stattfinden.
- Hunde, die im selben Jahr gewölft wurden, sind nicht zugelassen.
- Auf einer Prüfung starten höchstens 20 Hunde.
Ein Mindestalter in Monaten steht nicht in der Ordnung. Rechnerisch kann ein Hund frühestens im Herbst des Jahres nach seinem Wurfjahr zur VGP. Ein Hund aus dem Spätherbst ist dann noch keine zwei Jahre alt. Ob er so weit ist, entscheidet in der Praxis der Ausbildungsstand, nicht der Kalender.
Eine Besonderheit unterscheidet die VGP von allen früheren Prüfungen. Sie darf nie an einem einzigen Tag abgehalten werden. Am zweiten Tag müssen mindestens vier Fächer geprüft werden. Das hat einen guten Grund: Die Riemenarbeit auf einer Übernachtfährte braucht eine Fährte, die über Nacht gestanden hat, und ein Hund soll auch nach einem anstrengenden ersten Tag noch zuverlässig arbeiten.
Wer nur einen Prüfungstag einplanen will, kann auf die Verbandsprüfung nach dem Schuss (VPS) ausweichen. Sie folgt derselben Prüfungsordnung, darf an einem Tag stattfinden und ist für Hunde mit bestandener VGP gesperrt. Den Termin einer VGP geben die ausrichtenden Vereine bekannt, im Norden zum Beispiel der Klub Kurzhaar Nordmark e.V. oder der Klub Kurzhaar Schleswig-Holstein e.V.

Die Aufgaben der VGP-Prüfung im Wald
Die Waldarbeit ist die Fachgruppe, die die VGP am deutlichsten von HZP und Solms unterscheidet. Hier geht es um Aufgaben, die erst nach dem Schuss anfallen, und um Wild, das im Feld kaum eine Rolle spielt.
Das Herzstück ist die Riemenarbeit. Der Hund arbeitet am langen Riemen eine künstliche Wundfährte. Die Prüfungsordnung kennt zwei Varianten: die Übernachtfährte mit der Fachwertziffer 8 und die Tagfährte mit der Fachwertziffer 5. Die höhere Gewichtung der Übernachtfährte ist folgerichtig, denn eine ältere Fährte ist schwerer zu halten.
Zu den weiteren Aufgaben der VGP im Wald gehören:
- Bringen von Fuchs über Hindernis: Der Hund trägt einen Fuchs über ein Hindernis zum Führer. Gewicht und Sperrigkeit des Fuchses machen das zur Kraftprobe.
- Hasen- oder Kaninchenschleppe: Der Hund folgt einer Schleppe durch den Wald bis zum Stück und bringt es.
- Stöbern: Der Hund soll eine Dickung selbstständig absuchen.
- Buschieren: Die Suche unter der Flinte, nah am Führer, in deckungsreichem Gelände.
Für einen Kurzhaar, dessen Stärke traditionell die weite Feldsuche ist, sind Stöbern und Buschieren oft die Fächer mit dem größten Übungsbedarf. Der Wechsel von großer Feldsuche zur engen Arbeit vor dem Führer muss trainiert werden, er kommt nicht von selbst.

VGP Prüfungsfächer an Wasser, Feld und im Gehorsam
Neben dem Wald nennt die VGPO drei weitere Fachgruppen. Wer die Aufgaben der VGP Prüfung plant, sollte diese Liste kennen, denn geprüft wird der Hund in allen vier Gruppen. Die VGP Prüfungsfächer in der Übersicht, mit Beispielen aus der Prüfungsordnung:
| Fachgruppe | Beispiele aus der VGPO |
|---|---|
| Waldarbeit | Riemenarbeit, Fuchs über Hindernis, Schleppe, Stöbern, Buschieren |
| Wasserarbeit | Stöbern ohne und mit Ente, Verlorensuchen, Bringen von Ente |
| Feldarbeit | Nasengebrauch, Suche, Vorstehen, Manieren am Wild |
| Gehorsam | Leinenführigkeit, Folgen frei bei Fuß, Ablegen, Schussruhe |
Am Wasser kennt der Hund vieles schon von der HZP. Neu ist das Stöbern ohne Ente. Hier zeigt sich, ob der Hund die Deckung auch dann gründlich absucht, wenn ihm keine Ente den Weg weist.
Im Feld wiegt der Nasengebrauch mit der Fachwertziffer 6 schwer. Manieren am Wild bewerten, wie sich der Hund verhält, wenn das Wild vor ihm steht oder aufsteht: ruhig und kontrolliert oder hektisch.
Die Gehorsamsgruppe ist der Teil der VGP Prüfungsfächer, den Zuschauer am ehesten verstehen. Leinenführigkeit, Folgen frei bei Fuß, Ablegen und Schussruhe klingen nach Hundeschule. In der Praxis zeigt sich hier aber, ob der Hund nach zwei Tagen Arbeit noch bei seinem Führer ist. Viele Prüfungen werden genau hier verloren, nicht bei der Fährte.
Prüfungsordnung: Preise und Punkte bei der VGP
Bei VJP und HZP vergibt der JGHV nur Punkte. Die VGP ist anders: Laut Prüfungsordnung steht am Ende ein I., II. oder III. Preis, dazu eine Punktzahl. Die Punkte entstehen wie bei den Zuchtprüfungen aus der Note je Fach, gewichtet mit der Fachwertziffer.
Welche Leistungen für welchen Preis nötig sind, regelt § 9 Abs. 5 und 6 der VGPO mit Mindestleistungen und Mindestpunktzahlen je Fachgruppe. Preis und Punktzahl beantworten dabei zwei verschiedene Fragen: Der Preis ordnet die Leistung in eine Stufe ein, die Punkte zeigen, wie stark der Hund über alle Fächer gearbeitet hat. Wenn du sie für die Planung brauchst, lies sie dort im Original, denn die Prüfungsordnung ändert sich gelegentlich.
In der Kurzschrift des DK-Verbands erscheint ein VGP-Ergebnis nach dem Muster „VGP1 300P“: Prüfung, Preis, Punkte. In Ahnentafeln stehen daneben oft weitere Leistungszeichen aus der Liste des DK-Verbands und des JGHV.
Zu den bekanntesten zählen:
- Btr für bestandene Bringtreue,
- Vbr als Verlorenbringernachweis,
- AH für das Armbruster Haltabzeichen,
- HN für den Härtenachweis.
Für die Zucht und für die Dr. Kleemann-Zuchtauslese sind gerade Härtenachweis und Verlorenbringen wichtig. Wer die Prüfungsordnung kennt, liest eine Ahnentafel deshalb nicht nur auf Preise, sondern auch auf diese Kürzel.

Die VGP beim Deutsch Kurzhaar: Zucht, IKP und Zuchtauslese
Für die VGP beim Deutsch Kurzhaar gilt, was die ganze Rasse prägt: Die Leistung entscheidet über den Platz in der Zucht. Der DK-Verband lässt laut Zuchtordnung nur Hunde zur Zucht zu, die eine Solms, AZP, HZP oder VGP mit vollständiger Wasserarbeit bestanden haben. Die VGP ist dafür nicht zwingend, aber sie ist der umfassendste dieser Nachweise.
Für die höchsten Stufen kommt man an ihr nicht vorbei. Die Internationale Kurzhaar-Prüfung setzt eine bestandene VGP voraus und verlangt Leistungen, die das übliche Solms-Niveau „erheblich übertreffen“ sollen. Die Dr. Kleemann-Zuchtausleseprüfung fordert sogar einen 1. Preis auf der VGP, zusätzlich zu Härtenachweis, Formwert mindestens „SG“ und einer bestandenen Verlorenbringer- oder Schweißprüfung. Wer sie besteht, trägt den Titel „Kurzhaar-Sieger“.
Ein Blick auf die Ergebnisse der VGP beim Deutsch Kurzhaar lohnt sich auch für Welpenkäufer. Steht bei beiden Elterntieren eine VGP mit 1. Preis in der Ahnentafel, haben beide über zwei Tage in Wald, Wasser und Feld gezeigt, was der Standard vom Jagdgebrauchshund erwartet. Das ist kein Versprechen für den Welpen, aber ein belastbarer Hinweis.
Nach der VGP: der nächste Schritt
Mit der bestandenen VGP ist der Prüfungsweg nicht zu Ende. Er verzweigt sich. Welche Richtung sinnvoll ist, hängt davon ab, wie du den Hund jagdlich führst.
Jagst du viel auf Schalenwild, liegt die Schweißarbeit nahe. Die Verbandsschweißprüfung verlangt eine künstliche Fährte von mindestens 1.000 Metern mit 20 oder 40 Stunden Stehzeit. Die 40-Stunden-Fährte darf ein Hund erst laufen, wenn er die 20-Stunden-Fährte bestanden hat. Für die VSwP hat der JGHV eine neue Prüfungsordnung beschlossen, lies deshalb immer die gerade gültige Fassung. Einzelheiten stehen unter Schweißarbeit.
Steht eher Raubwild im Vordergrund, ist die Bringtreueprüfung der logische Schritt. Dort muss der Hund in einer Dickung einen ausgelegten, kalten Fuchs ohne Einwirkung des Führers finden und bringen, innerhalb von 20 Minuten. Geprüft wird von August bis März im Wald.
Und wer die Ausbildung bis zur VGP noch vor sich hat, findet die Bausteine vom Welpen bis zur Brauchbarkeit unter Ausbildung des Deutsch Kurzhaar. Den vollständigen Text der VGPO stellt der JGHV auf seiner Seite mit den Prüfungsordnungen bereit.
