Warum Schweißarbeit auch für einen Vorstehhund zählt
Wer beim Deutsch Kurzhaar zuerst an Feld, Vorstehen und weite Suche denkt, liegt nicht falsch. Der FCI-Standard Nr. 119 nennt als Verwendung aber ausdrücklich den vielseitig einsetzbaren Jagdgebrauchshund. Zu dieser Vielseitigkeit gehört die Nachsuche auf krankgeschossenes Schalenwild, also die Arbeit am langen Riemen auf einer Fährte, die oft Stunden alt ist.
In der Praxis heißt das: Ein Reh ist nach dem Schuss noch weggezogen, im Anschuss liegen nur ein paar Tropfen Schweiß und etwas Schnitthaar. Ohne einen Hund, der diese Spur ruhig und konzentriert hält, bleibt das Stück womöglich unauffindbar. Für den Jäger ist das ärgerlich, für das Wild ist es eine Frage des Tierschutzes.
Der JGHV prüft diese Fähigkeit in zwei eigenen Prüfungen. Die Verbandsschweißprüfung VSwP und die Verbandsfährtenschuhprüfung VFsP teilen sich eine gemeinsame Prüfungsordnung. Der DK-Verband führt die Ergebnisse in seiner Liste der Leistungszeichen mit Kürzeln wie SW1, SW3/2 oder FS1. Auf einem Kurzhaar-Papier zeigen sie, dass der Hund nicht nur über Feld und Wasser, sondern auch im Wald am Riemen gearbeitet hat.
Die VSwP laut Prüfungsordnung des JGHV
Die Verbandsschweißprüfung arbeitet mit einer künstlichen Schweißfährte. Die Prüfungsordnung des JGHV setzt dafür einige feste Eckpunkte, die du kennen solltest, bevor du mit der Vorbereitung beginnst.
| Punkt | VSwP | VFsP |
|---|---|---|
| Fährtenlänge | mind. 1.000 m | siehe PO |
| Stehzeit | 20 oder 40 Stunden | 20 oder 40 Stunden |
| Schweiß | max. ¼ Liter | max. 0,1 Liter |
| Legen | künstliche Schweißfährte | mit Fährtenschuhen |
| Riemen | mind. 6 m | siehe PO |
Die Fährte muss über Nacht stehen. Dadurch kühlt sie ab, Tau und Wind verändern die Witterung, und der Hund muss die feinen Reste der Fährte über eine lange Strecke halten. Der Schweißriemen von mindestens sechs Metern sorgt dafür, dass der Hund frei arbeiten kann und der Führer trotzdem in Verbindung bleibt.
Die Ergebnisse vergibt der JGHV bei diesen Prüfungen, anders als bei VJP und HZP, mit Preisen: I., II. oder III. Preis, jeweils mit Punkten. Für die 40-Stunden-Fährte gilt eine klare Reihenfolge: Laut Prüfungsordnung darf ein Hund sie erst angehen, wenn er die 20-Stunden-Fährte bestanden hat.

Die VFsP: Fährte mit dem Fährtenschuh
Die Verbandsfährtenschuhprüfung steht in derselben Ordnung wie die VSwP, verlangt aber eine andere Art der Fährte. Statt sie allein mit Schweiß zu legen, wird sie mit Fährtenschuhen gelegt. Das sind Gestelle, unter die Schalen von Schalenwild geschnallt werden. Der Fährtenleger geht damit die Strecke ab, und die Schalen hinterlassen bei jedem Schritt Bodenverletzung und Witterung, ähnlich wie ein ziehendes Stück.
Laut Prüfungsordnung darf dabei höchstens 0,1 Liter Schweiß pro Fährte verwendet werden, deutlich weniger als bei der VSwP. Die Stehzeit beträgt wie dort 20 oder 40 Stunden.
Für den Hund bedeutet das eine Umstellung. Auf der klassischen Schweißfährte ist das Blut die Hauptspur. Auf der Fährtenschuhfährte folgt er stärker der Individualwitterung des Wildes und den Trittsiegeln am Boden. Das kommt der echten Nachsuche nahe, denn ein krankes Stück verliert nicht überall gleichmäßig Schweiß.
Ob du zuerst die VSwP oder die VFsP angehst, hängt davon ab, wie dein Hund bisher eingearbeitet wurde. Wichtig ist nur, dass du in der Vorbereitung die Art der Fährte übst, die du später prüfen lässt.
20 oder 40 Stunden: was die Stehzeit verändert
Die Stehzeit ist die eigentliche Schwierigkeit der Schweißprüfungen. Eine frische Fährte riecht stark, fast jeder Hund mit guter Nase kann ihr folgen. Mit jeder Stunde verfliegt Witterung, Regen wäscht Tropfen ab, Wild kreuzt die Spur und legt neue, frische Fährten darüber.
Ein Hund, der eine 20-Stunden-Fährte sicher arbeitet, hat gelernt, sich auf die alte Spur zu konzentrieren und Verleitungen zu ignorieren. Die 40-Stunden-Fährte verlangt dasselbe noch einmal in härterer Form. Darum schreibt die Prüfungsordnung vor, dass ein Hund sie erst nach bestandener 20-Stunden-Prüfung laufen darf.
Für den Deutsch Kurzhaar ist das eine besondere Aufgabe. Viele Kurzhaare sind schnell, temperamentvoll und an das freie Suchen im Feld gewöhnt. Am Riemen ist das Gegenteil gefragt: langsames, gründliches Arbeiten mit tiefer Nase. Wer seinen Hund nur im Feld führt, merkt bei den ersten Übungsfährten oft, wie stark das Tempo zur Hürde wird.
- 20 Stunden: Einstieg, Fährte über Nacht, solide Grundlage für jede Nachsuche.
- 40 Stunden: nur nach bestandener 20-Stunden-Fährte, deutlich ältere Witterung.
Schweißarbeit auf der VGP und als eigene Prüfung
Auch die VGP enthält Schweißarbeit. Zur Waldarbeit gehört laut Prüfungsordnung eine Riemenarbeit, entweder als Übernachtfährte mit der Fachwertziffer 8 oder als Tagfährte mit der Fachwertziffer 5. Die höhere Wertung der Übernachtfährte zeigt, wie hoch der JGHV die ältere Fährte gewichtet.
Die VSwP und die VFsP gehen über diesen Teil der VGP hinaus. Bei der VSwP ist die Fährte mindestens 1.000 Meter lang, die Stehzeit kann bis zu 40 Stunden betragen, und es zählt allein die Riemenarbeit. Viele Führer gehen deshalb so vor: Erst sitzt die Riemenarbeit für die VGP, danach folgt die Spezialisierung auf die Schweißprüfung.
Die Schweißprüfung hat auch für die Zucht Gewicht. Die Dr. Kleemann-Zuchtausleseprüfung des DK-Verbands lässt laut Prüfungsordnung nur Hunde zu, die unter anderem einen Verlorenbringernachweis oder eine bestandene VSwP vorweisen. Wer mit seinem Kurzhaar auf diese Spitzenprüfung hinarbeitet, kommt um die Schweißarbeit also kaum herum.
Neben der Schweißprüfung steht die Bringtreueprüfung als zweite große Waldprüfung. Beide verlangen dieselbe Grundhaltung: selbstständiges, ruhiges Arbeiten ohne ständige Hilfe vom Führer.

Vorbereitung: von der ersten Übungsfährte bis zur Übernachtfährte
Die Vorbereitung auf die Schweißprüfung lässt sich gut planen, braucht aber Zeit. Grundlage ist eine solide jagdliche Ausbildung, in der dein Hund gelernt hat, sich am Riemen führen zu lassen und Kommandos ruhig anzunehmen.
Bewährte Stufen in der Ausbildungspraxis:
- Kurze, frische Fährten mit wenig Schweiß, gerade Linien, Belohnung am Ende am Stück oder an einer Decke.
- Länger und älter: Schritt für Schritt mehr Strecke und mehr Stehzeit, bis die Fährte über Nacht steht.
- Haken und Wundbetten einbauen, damit der Hund Richtungswechsel und Stellen mit mehr Schweiß kennenlernt.
- Verleitungen zulassen: andere Wildfährten, Wege, Wechsel zwischen Wald und Lichtung.
- Prüfungsnahe Fährten in der verlangten Länge, Art und Stehzeit, im passenden Gelände.
Ein Fehler, den viele Führer machen, ist zu viel Hilfe am Riemen. Wer bei jedem Zögern korrigiert, nimmt dem Hund die Chance, selbst zurück auf die Fährte zu finden. Lerne, die Körpersprache deines Hundes zu lesen: Wie sieht er aus, wenn er sicher auf der Fährte ist, und wie, wenn er sucht? Dieses Wissen hilft dir in der Prüfung mehr als jede Technik.
Neue Prüfungsordnung und wo du Schweißprüfungen findest
Der JGHV hat im März 2026 auf seiner Verbandsversammlung eine neue Prüfungsordnung für VSwP und VFsP beschlossen. Sie löst die Fassung von 2015 ab, die seit April 2016 galt. Die Eckpunkte auf dieser Seite stammen aus der Prüfungsordnung, und vor deiner Meldung lohnt sich ein Blick in die jeweils gültige Fassung. Die neue Ordnung findest du beim JGHV, die bisherige beim DK-Verband.
Ausgerichtet werden Schweißprüfungen von Vereinen im JGHV. Im Norden veröffentlichen der Klub Kurzhaar Nordmark e.V., der Klub Kurzhaar Schleswig-Holstein e.V. und der Verein Deutsch Kurzhaar Westküste e.V. ihre Ausschreibungen auf ihren Seiten. Wie die Klubs in der Region verteilt sind, zeigt die Seite zu Schleswig-Holstein.
Den Gesamtweg vom Junghund bis zur VGP findest du in der Übersicht der Prüfungen. Ein praktischer Tipp für den Prüfungstag: Nimm deinen eigenen, eingearbeiteten Schweißriemen mit, und prüfe vorher, ob er die verlangten sechs Meter tatsächlich hat.
