Netzjagd und Beizjagd: die alten Vorstehhunde
Lange bevor jemand von einer Rasse sprach, gab es Hunde, deren wichtigste Fähigkeit das Stillstehen war. Der FCI-Standard Nr. 119 beginnt seine kurze historische Übersicht genau dort: bei Vorstehhunden, die vor allem in den Mittelmeerländern für die Netzjagd auf Federwild und für die Beizjagd mit Greifvögeln eingesetzt wurden.
Die Arbeitsweise war einfach und anspruchsvoll zugleich. Der Hund suchte das Gelände ab, fand mit der Nase ein Rebhuhn oder eine Wachtel und blieb wie angewurzelt davor stehen. Die Jäger zogen dann ein Netz über Hund und Vögel oder ließen den Falken fliegen. Ein Hund, der zu früh einsprang, verdarb die ganze Jagd. Gefragt waren also eine gute Nase, eine weite Suche und ein zuverlässiges Vorstehen, genau die Anlagen, die heute noch in der ersten Zuchtprüfung bewertet werden.
Über Frankreich, Spanien und Flandern kamen diese Hunde nach Angaben der FCI an die deutschen Fürstenhöfe. Dort wurden sie gehalten und weitergezüchtet, ohne dass es schon ein Zuchtbuch oder einen schriftlichen Standard gegeben hätte. Welche Hunde genau in diese frühen Linien eingeflossen sind, lässt sich aus offiziellen Quellen nicht mehr nachzeichnen. Die FCI beschränkt sich auf die drei Länder als Wege, über die der Vorstehhund nach Deutschland kam.
1750: die Doppelflinte verändert die Arbeit
Der Wendepunkt kam mit einer Waffe. Der FCI-Standard nennt ausdrücklich das Jahr, in dem die erste Doppelflinte gefertigt war: 1750. Mit ihr änderte sich die Jagd auf Federwild grundlegend. Der Jäger musste die Vögel nicht mehr mit dem Netz fangen, er konnte sie im Flug schießen, und das gleich zweimal hintereinander.
Für den Hund bedeutete das eine neue Aufgabe. Vorstehen allein reichte nicht mehr. Das geschossene Wild musste gefunden und gebracht werden, auch wenn es nur angeschossen davonlief oder ins Wasser fiel. Laut FCI begann damit der Wandel vom reinen Vorstehhund zum vielseitigen Jagdgebrauchshund, der vor dem Schuss und nach dem Schuss arbeitet.
Dieser Gedanke prägt die Rasse bis heute. Ein Kurzhaar soll im Feld suchen und vorstehen, im Wasser stöbern, im Wald einer Wundfährte folgen und Wild zuverlässig bringen. Die Verbandsgebrauchsprüfung, die all diese Fächer an mindestens zwei Tagen abfragt, ist im Grunde die moderne Antwort auf die Doppelflinte. Mehr dazu erklärt die Seite zur VGP. Der vielseitige Hund ist also keine Erfindung der Prüfungsordnung, sondern eine Folge der Waffentechnik des 18. Jahrhunderts.

Frankfurt 1878: die ersten gemeinsamen Regeln
Im 19. Jahrhundert wuchs das Interesse an planvoller Zucht. Laut Chronik des DK-Verbands war die Frankfurter Hundeausstellung im Mai 1878 die erste große Präsentation deutscher Vorstehhunde. Hunde aus verschiedenen Regionen standen hier zum ersten Mal in größerer Zahl nebeneinander und ließen sich direkt vergleichen.
Noch im selben Jahr trafen sich nach Angaben des Verbands Vertreter der Vereine, um Rassekennzeichen und Prüfungsregeln zu entwickeln. Damit begann eine Entwicklung, die für den Kurzhaar typisch werden sollte: Aussehen und Leistung wurden von Anfang an zusammen gedacht. Ein schöner Hund, der nicht jagen konnte, sollte nicht als Vorbild gelten.
Was in diesen Jahren entstand, war mehr als eine Beschreibung des Körperbaus. Es ging um die Frage, wie man die Arbeit eines Jagdhundes fair vergleichen kann. Wer läuft schneller, wer sucht planvoller, wer steht fester vor? Daraus wurden über Jahrzehnte die Prüfungsordnungen, die heute der DK-Verband und der Jagdgebrauchshundverband (JGHV) herausgeben. Für den Kurzhaar ist diese Verbindung von Gebäude und Arbeit bis heute Grundlage der Zuchtzulassung.
Prinz Albrecht zu Solms-Braunfels und „Durch Leistung zum Typus“
Eine Persönlichkeit hebt sowohl der FCI-Standard als auch die Chronik des DK-Verbands hervor: Prinz Albrecht zu Solms-Braunfels. Er stellte laut diesen Quellen Rassekennzeichen auf, dazu Regeln zur Beurteilung der Körperform und schließlich einfache Prüfungsregeln für Jagdhunde.
Bekannt geblieben ist vor allem sein Leitsatz: „Durch Leistung zum Typus“. Die Idee dahinter ist bemerkenswert modern. Nicht ein vorher festgelegtes Idealbild soll die Zucht bestimmen, sondern die Arbeit. Ein Hund, der jagdlich überzeugt, gibt die Richtung vor, und aus vielen leistungsstarken Hunden ergibt sich mit der Zeit ein einheitlicher Typ.
Prinz Albrecht zu Solms-Braunfels starb 1901. Sein Name lebt in der Herbstzuchtprüfung weiter, die der DK-Verband bis heute als „Solms“ ausrichtet. Das erste Prinz-Solms-Memorial fand laut Chronik 1906 als Herbstzuchtprüfung statt. Wie die Solms heute abläuft und wie sie sich von der HZP unterscheidet, erklärt die Seite Solms und HZP.
Ein kleines Detail am Rande: Der FCI-Standard schreibt den Namen „Solms-Braunfeld“, die Chronik des DK-Verbands „Solms-Braunfels“. Gemeint ist dieselbe Person.

Klub Kurzhaar, Zuchtbuch und das erste Derby
In den 1890er-Jahren nahm die Organisation feste Formen an. Aus einem Brauntigerklub ging laut DK-Verband 1891 der Klub „Kurzhaar Berlin“ hervor. Von diesem Jahr an rechnet der Verband sein Bestehen, 2021 blickte er auf 130 Jahre zurück.
Schon im April 1893 veranstaltete der Klub sein erstes internes „Derby“, eine Jugendsuche für junge Hunde, mit 47 Nennungen. Die Frühjahrsprüfung trägt diesen Namen bis heute, die Seite Derby und VJP beschreibt sie genauer.
1897 folgte ein weiterer Meilenstein: Der erste Band des „Stammbuch Kurzhaar“ erschien, nach dem Vorbild des Stud Book des englischen Kennel Club. Auch der FCI-Standard nennt 1897 als Beginn des Zuchtbuchs Deutsch Kurzhaar. Um die Wende zum 20. Jahrhundert wurde das Zuchtbuch geschlossen. Seither sind laut DK-Verband offiziell keine Einkreuzungen anderer Rassen mehr vorgesehen.
Wie ernst die Leistungsprüfung schon damals genommen wurde, zeigt eine Zahl aus der Chronik: 1904 wurden im Verband 143 Kurzhaar auf Frühjahrs-Jugendsuchen geprüft. Und noch eine Besonderheit nennt der Verband: Der Kurzhaar war die erste kontinentale Vorstehhundrasse, die „Deutsch“ im Rassenamen trägt.
Vom Klub zum Verband
1908 wurde der Klub Kurzhaar laut Chronik zum „Kurzhaar-Verband“ erklärt. Am 5. November 1911 einigten sich in Berlin neun Kurzhaarklubs auf eine jährliche Delegiertenversammlung, die Grundlage der heutigen Verbandsstruktur. Von 1911 bis 1938 führte Dr. Paul Kleemann den Verband, ein Berliner Kurzhaarzüchter. Nach ihm ist die anspruchsvollste Zuchtprüfung der Rasse benannt, die Kleemann-Zuchtauslese.
Die Prüfungsideen des Kurzhaar-Verbands strahlten auf andere Rassen aus. Laut Chronik hielt der Verein Deutsch-Drahthaar 1920 seine erste Hegewald-Herbstzuchtprüfung nach den Grundsätzen der DK-Prüfungsordnung ab. 1927 erklärte der JGHV Jugend- und Herbstzuchtprüfungen zu Verbandsprüfungen. Auch das Jagdgebrauchshundstammbuch (DGStB) hat eine Kurzhaar-Vorgeschichte: Der erste dort eingetragene Hund war ein Deutsch Kurzhaar mit bestandener VGP.
Die wichtigsten Daten auf einen Blick:
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1878 | Frankfurter Ausstellung, erste Regeltreffen |
| 1891 | Klub Kurzhaar Berlin |
| 1893 | erstes Derby, 47 Nennungen |
| 1897 | erster Band Stammbuch Kurzhaar |
| 1906 | erstes Prinz-Solms-Memorial |
| 1908 | Kurzhaar-Verband |
| 1954 | endgültige FCI-Anerkennung |
Heute gehören laut DK-Verband 42 Vereine in Deutschland dazu, außerdem vier in den USA und einer in Kanada, mit zusammen rund 8.000 Mitgliedern. Im Zuchtbuch werden pro Jahr um die 1.200 Welpen eingetragen. Wie Zucht und Zuchtbuch heute funktionieren, erklärt die Seite Zucht.

Der Kurzhaar im Norden
Die folgenden Angaben stammen aus den Vereinschroniken der Klubs. Dieser Ratgeber ist unabhängig und mit keinem der Vereine verbunden.
Im Norden beginnt die organisierte Kurzhaargeschichte 1922. Am 29. November jenes Jahres wurde nach Angaben des Klubs in Hamburg, im Hotel „Fürst Bismarck“, der Klub Kurzhaar Nordmark e.V. gegründet. Sein Gebiet war groß: von Ostfriesland bis Nordschleswig, dazu Mecklenburg. Später verlegte der Klub laut eigener Chronik seinen Sitz von Hamburg nach Eutin.
Aus diesem weiten Gebiet entstanden mit der Zeit eigene Vereine. Im Februar 1958 trennte sich der Bereich Nordwest ab. Im Februar 1968 gründeten 28 Kurzhaarfreunde im Kirchspielskrug „Gallehus“ in Viöl den Klub Kurzhaar Schleswig-Holstein e.V., der im März desselben Jahres in den DK-Verband aufgenommen wurde. 1976 folgte der Klub Kurzhaar Hamburg.
Die Klubs im Land holten mehrfach große Prüfungen in den Norden. Laut Klubgeschichte fand die erste Dr.-Kleemann-Zuchtauslese in Schleswig-Holstein 1966 in Bosau statt. 1983 richteten der Klub Kurzhaar Nordmark und der Klub Kurzhaar Schleswig-Holstein gemeinsam die 11. Internationale Kurzhaar-Prüfung rund um Husum aus, unter dem Motto „IKP zwischen den Meeren“. 2009 kam die IKP noch einmal nach Viöl, diesmal als 24. Auflage.
Wer heute wissen will, welche Vereine die Rasse zwischen Nord- und Ostsee betreuen und welche Landschaften dort geprüft werden, findet den Überblick auf der Seite Deutsch Kurzhaar in Schleswig-Holstein. Den Einstieg in die Rasse selbst bietet die Übersicht Rasse.
