Eine Prüfung über dem Solms-Niveau
Die meisten Prüfungen, die ein Deutsch Kurzhaar im Lauf seines Lebens ablegt, fragen nach einem Mindeststandard. Hat der Hund genügend Nase, eine brauchbare Suche, sicheres Vorstehen? Die Internationale Kurzhaar-Prüfung fragt etwas anderes: Wie gut ist dieser Hund im Vergleich zu den besten seiner Rasse?
Der DK-Verband beschreibt die IKP als internationale Feld- und Wasserprüfung. Die Prüfungsordnung legt die Messlatte ungewöhnlich deutlich fest. Die Leistungen sollen das übliche Solms-Niveau erheblich übertreffen. Damit ist die Solms, die Herbstzuchtprüfung des Verbands, nicht der Maßstab, sondern die untere Grenze.
Das Wort international ist dabei ernst gemeint. Der DK-Verband hat neben seinen Vereinen in Deutschland auch Mitgliedsvereine in den USA und in Kanada, dazu einen angeschlossenen Klub in der Schweiz und eine Verbindung nach Luxemburg. Die IKP ist der Ort, an dem Kurzhaare aus dieser Gemeinschaft nach denselben Regeln geprüft werden.
Die aktuelle Prüfungsordnung stammt im Kern vom 17. März 2007. Sie wurde 2018 und 2023 geändert, die geltende Fassung ist seit dem 1. Oktober 2023 in Kraft. Du findest sie als PDF in der Liste der Ordnungen des DK-Verbands.
Zulassung laut Prüfungsordnung des DK-Verbands
Auf die IKP kommt kein Hund zufällig. Die Prüfungsordnung verlangt eine Reihe von Nachweisen, die zusammen schon einen beachtlichen Lebenslauf ergeben.
- Zwei 1. Preise auf zwei verschiedenen Prüfungen aus Derby, Solms, AZP und VGP. Jede dieser Prüfungen darf dafür einmal wiederholt werden.
- Eine bestandene VGP, also die große Gebrauchsprüfung des JGHV.
- Formwert mindestens „SG“, also Sehr gut auf einer Zuchtschau.
- Ersatzregel für die Solms: Eine HZP wird anerkannt, wenn der Hund dort in allen Fächern 9 bis 11 Punkte erreicht hat.
Die Kombination ist bewusst gewählt. Die ersten Preise, etwa auf Derby und Solms, belegen die Anlagen, die bestandene VGP die Ausbildung und Brauchbarkeit im ganzen Jagdbetrieb. Der Formwert aus der Zuchtschau sorgt dafür, dass nicht nur Leistung, sondern auch Körperbau und Gangwerk stimmen.
Die HZP-Regel ist für viele Führer wichtig. Wer seinen Hund im Herbst nicht auf einer Solms, sondern auf einer Verbands-Herbstzuchtprüfung des JGHV geführt hat, ist damit nicht ausgeschlossen. Er braucht dort aber durchgehend sehr gute Leistungen.

Die Prüfungsfächer und ihre Fachwertziffern
Die IKP prüft acht Fächer aus Feld und Wasser. Jedes Fach hat eine Fachwertziffer, die angibt, wie stark es in das Ergebnis eingeht.
| Fach | Fachwertziffer |
|---|---|
| Nase | 6 |
| Suche | 5 |
| Vorstehen, Festmachen, Manieren | 5 |
| Stöbern mit Ente | 5 |
| Bringen von Ente | 3 |
| Bringen von Federwild | 3 |
| Gehorsam am Wild | 4 |
| Gehorsam ohne Wild | 3 |
Die Verteilung zeigt deutlich, worauf es ankommt. Die Nase steht mit der Fachwertziffer 6 allein an der Spitze. Suche, Vorstehen und Stöbern folgen mit 5. Das Bringen zählt mit je 3 weniger stark, weil ein Hund auf diesem Niveau sicheres Bringen ohnehin mitbringen muss.
Auffällig ist das Gewicht des Gehorsams. Mit zusammen sieben Fachwertpunkten zählt er sogar etwas mehr als die Nase. Besonders der Gehorsam am Wild trennt auf der IKP oft die Spitze vom Rest. Ein Hund mit glänzender Suche, der beim aufstehenden Fasan nicht ruhig bleibt, verliert dort entscheidende Punkte.
Bewertung: 136 Punkte und zwei Preisgrenzen
Der DK-Verband bewertet seine Prüfungen mit Leistungsziffern. Laut den allgemeinen Bestimmungen der Prüfungsordnung bedeutet sehr gut 4, gut 3, genügend 2, mangelhaft 1 und ungenügend 0. Diese Leistungsziffer wird mit der Fachwertziffer des Fachs multipliziert.
Die Summe der acht Fachwertziffern beträgt 34. Ein Hund, der überall sehr gut zeigt, kommt also auf die Höchstpunktzahl von 136 Punkten, die auch in der Prüfungsordnung steht. Die Preisgrenzen liegen hoch:
- 1. Preis: mindestens 123 Punkte
- 2. Preis: mindestens 102 Punkte
Neben der Summe setzt § 11 der Prüfungsordnung Mindestnoten je Fach. Für jeden Preis verlangt sie mindestens gute Leistungen in allen Fächern und am Prüfungstag einen Formwert „SG“. Für den 1. Preis muss der Hund in Nase, Suche, Vorstehen und Stöbern mit Ente sehr gut (Leistungsziffer 4) zeigen, in den beiden Bringfächern und den beiden Gehorsamsfächern mindestens gut (3). Diese Mindestwerte ergeben zusammen genau 123 Punkte. Rutscht also die Nase von sehr gut auf gut, ist der 1. Preis vorbei, auch wenn die Summe sonst noch reichen würde. Für den 2. Preis genügt in jedem Fach ein gut, das ergibt die 102 Punkte.
Das ist ein klarer Unterschied zu den Prüfungen des JGHV. Auf VJP und HZP gibt es ein 12-Punkte-System ohne Preise, auf der VGP Preise plus Punkte. Die IKP folgt dagegen dem System des DK-Verbands, wie Derby und Solms.

Was der Hund im Feld und am Wasser zeigen muss
Hinter jeder Zahl in der Tabelle steht eine Arbeit, die man im Revier sieht.
Nase und Suche zeigen sich im Feld. Ein Kurzhaar auf diesem Niveau sucht weit, planvoll und mit hohem Tempo, nutzt den Wind und findet Wild, ohne Strecke zu verschwenden. Die Nase merkt man daran, auf welche Entfernung der Hund Witterung aufnimmt und wie sicher er sie hält.
Vorstehen, Festmachen und Manieren fassen zusammen, was nach dem Finden passiert. Der Hund steht fest und ausdauernd vor, macht das Wild sicher fest und bleibt dabei kontrolliert.
Stöbern mit Ente führt ans Wasser. Hier zählt Wasserfreude, Ausdauer und die Fähigkeit, eine Ente im Bewuchs zu finden und zu verfolgen.
Bringen und Gehorsam schließen den Kreis. Der Hund bringt Ente und Federwild sauber zum Führer, bleibt am Wild ruhig und lässt sich auch ohne Wild jederzeit lenken.
Gerade das Wasser ist im Norden kein Problem für die Vorbereitung. Schilfreiche Niederungen wie die Eider-Treene-Sorge-Niederung prägen weite Teile des Landes.
Vorbereitung auf das Niveau der IKP
Eine IKP plant man nicht in einem Jahr. Der Weg dorthin führt über den ganzen Prüfungsweg, den du in der Übersicht der Prüfungen findest: Derby im Frühjahr nach dem Wurfjahr, Solms oder HZP im Herbst, danach die VGP. Erst wenn dort erste Preise stehen und der Formwert passt, ist der Hund zugelassen.
Für die Ausbildung bedeutet das vor allem eines: Gehorsam auf sehr hohem Niveau, ohne die Leidenschaft des Hundes zu brechen. Viele Kurzhaare mit herausragender Suche sind gleichzeitig temperamentvoll, und genau dieses Temperament muss am Wild gezügelt sein. Der FCI-Standard spricht beim Wesen von einem gezügelten Temperament. Auf der IKP wird diese Formulierung sichtbar.
Praktische Schwerpunkte in der Vorbereitung:
- Feldarbeit bei wechselndem Wind und in unterschiedlichem Bewuchs.
- Viel Wasserarbeit im Schilf, damit Stöbern zur Routine wird.
- Gehorsam am aufstehenden und fallenden Wild, immer wieder geübt.
- Saubere Bringarbeit mit Ente und Federwild.
Wie die Grundlagen dafür gelegt werden, beschreibt die Seite zur jagdlichen Ausbildung.
Die IKP zwischen Nord- und Ostsee
Schleswig-Holstein hat in der Geschichte der IKP seinen Platz. Die elfte IKP fand 1983 rund um Husum statt, unter dem Namen „IKP zwischen den Meeren“. Ausgerichtet wurde sie gemeinsam vom Klub Kurzhaar Nordmark e.V. und dem Klub Kurzhaar Schleswig-Holstein e.V. Die 24. IKP folgte 2009 in Viöl, dem Ort, an dem der Klub Kurzhaar Schleswig-Holstein e.V. 1968 gegründet wurde.
Wer heute eine IKP besuchen oder selbst führen möchte, findet die Ausschreibungen beim DK-Verband und bei den ausrichtenden Vereinen. Laut Prüfungsordnung findet die IKP im Herbst statt, möglichst im September. Wie die Klubs im Norden aufgestellt sind, zeigt die Seite zu Schleswig-Holstein.
Und wer weiter hinauf will: Über der IKP steht im DK-Verband noch die Dr. Kleemann-Zuchtausleseprüfung, deren erfolgreiche Hunde den Titel Kurzhaar-Sieger tragen. Dort zählen bei der Zulassung Formwert, Prüfungspreise und ein Härtenachweis zusammen.
