Derby und VJP: zwei Frühjahrsprüfungen für denselben Junghund
Im Frühjahr nach dem Wurfjahr steht ein junger Deutsch Kurzhaar zum ersten Mal vor Richtern. Zwei Prüfungen kommen dafür in Frage, und viele Führer melden ihren Hund zu beiden. Die eine ist die VJP Prüfung, die Verbandsjugendprüfung des Jagdgebrauchshundverbands (JGHV). Die andere ist das Derby, offiziell die „Frühjahrszuchtprüfung – DERBY –“ des Deutsch-Kurzhaar-Verbands. Wer seinen Deutsch Kurzhaar zum Derby meldet, startet auf einer Zuchtprüfung der eigenen Rasse; auf einer VJP Prüfung können auch andere Vorstehhunderassen laufen.
Beide wollen dasselbe wissen: Welche natürlichen Anlagen bringt der Hund mit? Abgerichtet ist in diesem Alter noch kaum etwas, und das ist gewollt. Die Richter sehen sich an, wie der Hund seine Nase einsetzt, wie er das Feld absucht, ob er Wild fest vorsteht und ob er sich führen lässt.
Der Unterschied liegt in Herkunft und Bewertung. Die VJP folgt der Verbands-Zuchtprüfungsordnung (VZPO) des JGHV und gilt für alle Vorstehhunderassen. Das Derby des Deutsch-Kurzhaar-Verbands ist dagegen eine reine Zuchtprüfung der Kurzhaar-Szene, ausgerichtet von dessen Klubs. Hunde anderer Rassen mit FCI-Papieren lässt die Derby-Ordnung zwar ebenfalls zu, gedacht ist die Prüfung aber für den Kurzhaar. Das Derby beim Deutsch Kurzhaar ist also eine Prüfung mit eigener Geschichte: Das erste klubinterne Derby lief laut Chronik des DK-Verbands im April 1893 als Jugendsuche, mit 47 Nennungen.
Danach folgt im Herbst die zweite Station, die Solms und HZP. Den ganzen Weg bis zur VGP findest du im Überblick unter Prüfungen für Jagdhunde.
Zulassung und Alter laut Prüfungsordnung
Beide Ordnungen regeln das Alter über das Wurfdatum, nicht über Monate.
Für die VJP verlangt die VZPO, dass der Hund im vorangegangenen Kalenderjahr gewölft wurde. Zusätzlich dürfen Hunde starten, die bis zu drei Monate älter sind. Die Prüfung findet ausschließlich im Frühjahr statt, und zwar bis einschließlich 1. Mai. Ausrichten dürfen sie nur Vereine, die Mitglied im JGHV sind.
Die Derby-Prüfungsordnung formuliert es so: Zugelassen sind Hunde, „die nach dem 1. Oktober des vorvergangenen Jahres der Prüfung gewölft wurden“ und im Zuchtbuch Deutsch Kurzhaar eingetragen sind. Auch das Derby läuft nur im Frühjahr. Im Ergebnis decken sich die beiden Fenster fast genau: Ein Hund aus dem Herbst kann ebenso starten wie einer, der im Sommer des Vorjahres zur Welt kam.
Eine Besonderheit hat das Derby. Der DK-Verband rechnet in Zuchtjahren, die vom 1. Oktober des Vorjahres bis zum 30. September laufen. Besteht ein Hund das Derby noch in dem Zuchtjahr, in dem er gewölft wurde, erhält das Ergebnis den Zusatz (J). Diese Hunde sind beim Derby also deutlich jünger als der Durchschnitt.
Für dich als Führer heißt das: Plane früh. Termine und Reviere geben die ausrichtenden Vereine selbst bekannt. Im Norden sind das etwa der Klub Kurzhaar Nordmark e.V. und der Klub Kurzhaar Schleswig-Holstein e.V., mehr zur Region steht unter Deutsch Kurzhaar in Schleswig-Holstein.

Die VJP Prüfungsfächer im Einzelnen
Die VZPO nennt fünf Fächer, die mit Punkten bewertet werden. Jedes Fach hat eine Fachwertziffer, die angibt, wie stark es im Gesamtergebnis zählt. Die VJP Prüfungsfächer mit doppeltem Gewicht sind Spurarbeit und Nasengebrauch, also genau die Anlagen, die man einem Junghund nicht beibringen kann.
| Fach | Fachwertziffer |
|---|---|
| Spurarbeit | 2 |
| Nasengebrauch | 2 |
| Suche | 1 |
| Vorstehen | 1 |
| Führigkeit | 1 |
Daneben beobachten die Richter Gehorsam und Schussfestigkeit. Beides geht nicht als eigenes Punktefach in die Rechnung ein, wird aber festgehalten. Ein Hund, der beim Schuss erschrickt oder sich nicht mehr abrufen lässt, fällt auch ohne Fachwertziffer auf.
Was hinter den Fächern steckt, ist schnell erklärt:
- Spurarbeit: Der Hund soll eine Spur aufnehmen und ihr möglichst weit und konzentriert folgen.
- Nasengebrauch: Wie fein und sicher findet er Wild, auch auf Distanz?
- Suche: Wie weiträumig, planvoll und ausdauernd sucht er das Feld ab?
- Vorstehen: Steht er gefundenes Wild fest vor, statt einzuspringen?
- Führigkeit: Hält er Verbindung zum Führer und lässt er sich lenken?
Die VJP Prüfungsfächer sind damit klar auf Anlagen ausgerichtet. Erst bei der HZP im Herbst kommen Abrichtefächer wie Bringen und Schleppen dazu.

Punkte bei der VJP Prüfung: so rechnet der JGHV
Der JGHV bewertet Jugend- und Herbstzuchtprüfungen im 12-Punkte-System. Die Höchstnote „hervorragend“ entspricht 12 Punkten. Die wichtigste Frage zu den Punkten der VJP lautet meist: Wann hat ein Hund bestanden? Die Antwort steht in § 9 Abs. 2 b der VZPO: In jedem Fach braucht der Hund mindestens „genügend“, das sind 3 Punkte. Liegt er in einem einzigen Fach darunter, ist die Prüfung nicht bestanden, egal wie stark die übrigen Fächer waren. Wie die Richter nach der VZPO Punkte vergeben, zeigt die Tabelle darunter: Wer Punkte sammeln will, darf vor allem in keinem Fach abstürzen.
Die Punkte je Fach werden mit der Fachwertziffer gewichtet. Eine gute Spurarbeit zählt deshalb doppelt so viel wie eine gute Suche. Auf dem Zeugnis steht am Ende kein Preis, sondern der Satz, dass der Hund „mit ___ Punkten bestanden“ hat. In den Listen des DK-Verbands taucht das Ergebnis dann in Kurzform auf, nach dem Muster „VJP 70P“.
Diese Punktelogik der Prüfungsordnung hat einen praktischen Nebeneffekt. Weil jedes Fach einzeln die Hürde nehmen muss, verrät eine VJP-Punktzahl allein wenig über Stärken und Schwächen. Wer einen Welpen aus einer bestimmten Verpaarung sucht, sollte sich deshalb die Einzelnoten der Elterntiere ansehen, nicht nur die Summe. Wie das bei der Auswahl hilft, steht im Ratgeber zu Deutsch Kurzhaar Welpen.
Die Bandbreiten der 12-Punkte-Skala legt § 9 Abs. 2 f der VZPO selbst fest: „hervorragend“ sind 12 Punkte, „sehr gut“ 9 bis 11, „gut“ 6 bis 8, „genügend“ 3 bis 5 und „nicht genügend“ 0 bis 2 Punkte. Ein glattes „sehr gut“ ohne Abzug entspricht laut Ordnung 10 Punkten, ein glattes „gut“ 7 und ein glattes „genügend“ 4 Punkten.
Das Derby: Fächer, Leistungsziffern und Preise
Das Derby des Deutsch-Kurzhaar-Verbands bewertet weniger Fächer als die VJP, dafür auf einer anderen Skala: mit Leistungsziffern statt der Punkte der VJP. Laut Prüfungsordnung zählen Nase, Suche, Vorstehen und Führigkeit. Daneben halten die Richter Arbeitsfreude, Gehorsam und die Art des Jagens fest.
Der DK-Verband arbeitet mit Leistungsziffern: sehr gut = 4, gut = 3, genügend = 2, mangelhaft = 1, ungenügend = 0. In den Anlagefächern im Feld kann ein Hund zusätzlich „hervorragend“ erhalten, geschrieben als 4h. Aus den Ziffern ergibt sich ein Preis.
| Fach | 1. Preis | 2. Preis | 3. Preis |
|---|---|---|---|
| Nase | 4 | 3 | 2 |
| Suche | 4 | 3 | 2 |
| Vorstehen | 4 | 3 | 2 |
| Führigkeit | 3 | 3 | 2 |
Für einen 1. Preis muss der Hund also in Nase, Suche und Vorstehen „sehr gut“ zeigen. Bei der Führigkeit reicht „gut“, was bei einem Junghund mit viel Temperament fair ist.
Auffällig ist, was fehlt: Eine Hasenspur ist beim Derby nicht vorgeschrieben. Arbeitet ein Hund trotzdem eine Hasenspur sehr gut, erhält er den Andreas-Stern. Er ist ein Extra, keine Pflicht.
Für das Derby gilt außerdem: Ein Preis hier ist die Eintrittskarte für die höchste Zuchtprüfung des Verbands. Die Dr. Kleemann-Zuchtausleseprüfung verlangt mindestens zwei 1. Preise aus Derby, Solms oder AZP, und das Derby ist dabei laut Prüfungsordnung unverzichtbar.

Ablauf eines Prüfungstages im Feld
Am Prüfungsmorgen teilt die Prüfungsleitung die gemeldeten Hunde auf Richtergruppen auf. Bei der VJP Prüfung sieht die VZPO höchstens fünf Hunde je Richtergruppe vor. So bleibt Zeit, jeden Hund mehrfach und in Ruhe zu beobachten.
Die Arbeit selbst findet im offenen Feld statt, dort, wo im Frühjahr Niederwild steht. Der Hund sucht frei, die Richter laufen mit oder beobachten vom Rand. Bei der VJP folgt die Spurarbeit als eigener Teil. Ein Schuss während der Arbeit prüft die Schussfestigkeit nebenbei.
Für Schleswig-Holstein heißt das meist: offene Marsch an der Westküste oder die Ackerflächen des Östlichen Hügellands. Beide Landschaften haben weite, übersichtliche Schläge, auf denen die Richter einen suchenden Junghund lange im Blick behalten.
Was viele Erstlingsführer unterschätzen, ist die Zeit zwischen den Durchgängen. Ein junger Hund wartet oft lange im Auto oder an der Leine. Wer das vorher nie geübt hat, erlebt einen aufgedrehten Hund im ersten Durchgang. Ruhig warten zu können, gehört deshalb genauso in die Vorbereitung wie das Feldtraining. Mehr dazu, wie sich das in den ersten Monaten aufbaut, steht unter Ausbildung des Deutsch Kurzhaar.
Vorbereitung auf die VJP Prüfung im ersten Frühjahr
Weil die VJP Anlagen prüft, lässt sich wenig erzwingen. Ein Hund ohne Nase bekommt sie auch durch Training nicht. Trotzdem entscheidet die Vorbereitung darüber, ob die Anlagen am Prüfungstag sichtbar werden.
Am meisten bringt Revierpraxis. Ein Junghund, der Wild nur aus dem Garten kennt, hat am Prüfungstag zu viele neue Eindrücke. Wer im Winter und frühen Frühjahr regelmäßig ins Feld kommt, gibt dem Hund die Chance, Hasen und Federwild zu erleben und den eigenen Stil zu finden.
Wichtig ist auch die Führigkeit. Sie zählt bei der VJP Prüfung mit Fachwertziffer 1 und beim Derby für jeden Preis. Ein Hund, der sich nach dem Vorstehen einfach wegdreht und sein eigenes Programm macht, verliert hier Punkte.
Ein Punkt wird gern übersehen: Die Schussfestigkeit. Sie sollte vor der Prüfung in ruhigen Schritten aufgebaut sein, nicht erst am Prüfungstag getestet werden.
Den Prüfungsordnungs-Text selbst solltest du einmal ganz gelesen haben. Die VZPO des JGHV und die Derby-Ordnung des DK-Verbands sind frei abrufbar. Im Herbst geht es dann mit Wasserarbeit und Bringen weiter, bei Solms und HZP.
