Der Prüfungsweg im Überblick
Prüfungen beim Deutsch Kurzhaar folgen einer festen Logik: erst Anlagen, dann Abrichtung, dann Gebrauch. Zwei Verbände stellen dafür die Regeln auf. Der Jagdgebrauchshundverband (JGHV) schreibt die Prüfungsordnungen für alle Vorstehhunderassen. Der Deutsch-Kurzhaar-Verband hat daneben eigene Zuchtprüfungen, die nur in der Kurzhaar-Szene gelaufen werden. Viele Hunde gehen deshalb pro Saison auf zwei Prüfungen, eine von jedem Verband.
| Station | DK-Verband | JGHV | Zeit laut Ordnung |
|---|---|---|---|
| 1 | Derby | VJP | Frühjahr, VJP bis 1. Mai |
| 2 | Solms | HZP | Herbst, HZP ab 1. September |
| 3 | (AZP) | VGP | ab 1. September, nie an einem Tag |
| 4 | – | BTR, VSwP, VFsP | je nach Ordnung |
Die erste Station ist das Frühjahr nach dem Wurfjahr mit Derby und VJP. Im Herbst desselben Jahres folgen Solms und HZP. Die dritte Station ist die VGP, die der JGHV als Meisterprüfung versteht. Alles danach ist Spezialisierung.
Der Weg ist eine Empfehlung, keine Pflicht. Kein Hund muss alle Stationen laufen, und manche Führer lassen das Derby aus oder gehen direkt zur HZP. Für die Zucht und für die Spitzenprüfungen gibt es aber klare Voraussetzungen, die weiter unten stehen.
Frühjahr: Derby und VJP als erste Station
Im ersten Frühjahr geht es um Anlagen. Die Verbandsjugendprüfung (VJP) des JGHV lässt laut VZPO Hunde zu, die im vorangegangenen Kalenderjahr gewölft wurden, plus Hunde, die bis zu drei Monate älter sind. Geprüft wird nur im Frühjahr bis einschließlich 1. Mai. Die Fächer sind Spurarbeit, Nasengebrauch, Suche, Vorstehen und Führigkeit.
Das Derby, offiziell „Frühjahrszuchtprüfung – DERBY –“, ist die Kurzhaar-eigene Variante. Es lässt Hunde zu, die nach dem 1. Oktober des vorvergangenen Jahres gewölft wurden, und bewertet Nase, Suche, Vorstehen und Führigkeit. Eine Hasenspur ist hier nicht vorgeschrieben. Eine sehr gute Hasenspur bringt dem Hund trotzdem eine Auszeichnung, den Andreas-Stern.
Die Tradition ist alt. Laut Chronik des DK-Verbands fand das erste klubinterne Derby im April 1893 als Jugendsuche statt, mit 47 Nennungen. 1904 wurden bereits 143 Kurzhaar auf Frühjahrs-Jugendsuchen im Verband geprüft.
Was beide Prüfungen gemeinsam haben: Sie schauen auf das, was ein junger Hund mitbringt, nicht auf das, was er gelernt hat. Ein Hund mit starker Nase und ruhigem Vorstehen fällt hier auf, auch wenn der Gehorsam noch wackelt.

Herbst: Solms und HZP mit Wasserarbeit
Im Herbst wird es ernster. Die Verbands-Herbstzuchtprüfung (HZP) beginnt laut VZPO am 1. September und lässt Hunde aus dem Vorjahr, bis zu drei Monate ältere Hunde und Hunde aus dem laufenden Kalenderjahr zu. Neben die Anlagefächer treten Abrichtefächer: Verlorensuche im deckungsreichen Gewässer, Verlorensuche von Federwild, Haarwildschleppe, Art des Bringens und Gehorsam. Das schwerste Fach am Wasser ist das Stöbern mit Ente im deckungsreichen Gewässer.
Die Solms des DK-Verbands heißt nach Prinz Albrecht zu Solms-Braunfels, der laut FCI-Standard Nr. 119 unter anderem einfache Prüfungsregeln für Jagdhunde aufstellte. 1906 lief das erste „Prinz-Solms-Memorial“ als Herbstzuchtprüfung. Heute versteht die Prüfungsordnung die Solms als „Ergänzung und Erweiterung“ des Derby, mit Feldarbeit, Wasserarbeit im Schilf und Haarwildschleppe.
Für die Zucht ist der Herbst die entscheidende Station. Die Zuchtordnung des DK-Verbands verlangt von beiden Elterntieren eine bestandene Solms, AZP, HZP oder VGP mit vollständiger Wasserarbeit. Ein Hund, der nur Frühjahrsprüfungen hat, ist nicht zuchttauglich. Was das für die Ausbildung im Sommer bedeutet, beschreibt der Ratgeber zur Ausbildung des Deutsch Kurzhaar.
Die VGP als Meisterprüfung
Die Verbandsgebrauchsprüfung prüft den fertigen Jagdhund. Die VGPO des JGHV teilt sie in vier Fachgruppen: Waldarbeit mit Riemenarbeit, Fuchs über Hindernis und Schleppe, Wasserarbeit mit Stöbern und Verlorensuchen, Feldarbeit mit Nasengebrauch, Suche und Vorstehen und schließlich eine eigene Gehorsamsgruppe.
Drei Regeln machen die VGP besonders. Sie findet nur ab dem 1. September statt. Hunde aus dem laufenden Jahr sind nicht zugelassen. Und sie darf nie an einem Tag abgehalten werden, am zweiten Tag müssen mindestens vier Fächer geprüft werden. Am Ende stehen ein I., II. oder III. Preis und eine Punktzahl.
Wie eng die Rasse mit dieser Prüfung verbunden ist, zeigt ein Eintrag der DK-Chronik. Der erste Hund im Jagdgebrauchshundestammbuch (DGStB) war ein Deutsch Kurzhaar, eingetragen auf Grund einer bestandenen VGP.
Wer nur einen Tag einplanen kann, hat mit der Verbandsprüfung nach dem Schuss (VPS) eine Alternative nach derselben Ordnung. Nach einer bestandenen VGP ist die VPS allerdings gesperrt.
Zusatzprüfungen: Bringtreue und Schweißarbeit
Nach der VGP verzweigt sich der Weg. Zwei Zusatzprüfungen des JGHV sind beim Kurzhaar besonders verbreitet.
Die Bringtreueprüfung prüft, ob ein Hund auch ohne Führer zuverlässig bringt. In einer Dickung liegt ein kalter Fuchs, den der Hund selbstständig finden und bringen muss, innerhalb von 20 Minuten. Geprüft wird von August bis März im Wald, vor drei Verbandsrichtern. Wer besteht, erhält das Leistungszeichen Btr.
Die Schweißprüfungen VSwP und VFsP zeigen, ob ein Hund eine Wundfährte über lange Strecken hält. Die künstliche Fährte ist mindestens 1.000 Meter lang und steht 20 oder 40 Stunden, also mindestens über Nacht. Bei der VSwP werden höchstens ¼ Liter Schweiß verwendet, bei der Fährtenschuhprüfung VFsP höchstens 0,1 Liter, gelegt mit Fährtenschuhen. Die 40-Stunden-Fährte darf ein Hund erst nach bestandener 20-Stunden-Fährte laufen.
Welche der beiden Prüfungen zuerst sinnvoll ist, hängt von der Jagd ab, die du mit dem Hund betreibst. Für die Dr. Kleemann-Zuchtauslese zählt ein bestandener Verlorenbringernachweis oder eine VSwP.

Die Spitze: IKP und Dr. Kleemann-Zuchtauslese
Zwei Prüfungen des DK-Verbands stehen über allen anderen, und nur ein kleiner Teil der Hunde erreicht sie.
Die Internationale Kurzhaar-Prüfung ist eine Feld- und Wasserprüfung, deren Anforderungen laut Ordnung „das übliche Solms-Niveau erheblich übertreffen“ sollen. Zugelassen sind Hunde mit zwei 1. Preisen aus Derby, Solms, AZP oder VGP, einem Formwert von mindestens „SG“ und bestandener VGP. Sie findet im Herbst statt, vorzugsweise im September.
Die Dr. Kleemann-Zuchtausleseprüfung ist nach dem historischen Verbandsvorsitzenden Dr. Paul Kleemann benannt. Sie richtet sich an Rüden und Hündinnen, die „besonders zuchtwichtig“ erscheinen. Verlangt werden unter anderem zwei 1. Preise aus Derby, Solms oder AZP, wobei das Derby unverzichtbar ist, ein 1. Preis auf der VGP, Formwert mindestens „SG“ und Härtenachweis. Wer besteht, trägt den Titel „Kurzhaar-Sieger“, die höchste Auszeichnung des DK-Verbands.
Zum Formwert gehört eine eigene Bewertung auf der Zuchtschau. Wie Richter dort beurteilen und welche Noten es gibt, steht unter Zuchtschau und Formwert.
Leistungsziffern, Punkte, Preise: so liest du Ergebnisse
Die beiden Verbände bewerten unterschiedlich, und das sorgt beim Lesen einer Ahnentafel oft für Verwirrung.
- DK-Verband (Derby, Solms, IKP, Kleemann): Leistungsziffern von 0 bis 4, also ungenügend, mangelhaft, genügend, gut, sehr gut. In Anlagefächern in Feld und Wasser ist zusätzlich „hervorragend“ möglich, geschrieben 4h. Auf Derby und Solms ist das Ergebnis ein 1., 2. oder 3. Preis. Die IKP kennt nur einen 1. Preis (ab 123 Punkten) und einen 2. Preis (ab 102 Punkten). Die Kleemann vergibt keine Preise: Wer sie besteht, erhält den Titel „Kurzhaar-Sieger“.
- JGHV bei VJP und HZP: 12-Punkte-System, mindestens 3 Punkte in jedem Fach. Auf dem Zeugnis steht nur die Punktzahl, kein Preis.
- JGHV bei VGP, VSwP und VFsP: I., II. oder III. Preis plus Punkte.
In den Listen des DK-Verbands erscheinen die Ergebnisse in Kurzform. D1 steht für Derby 1. Preis, S1 für Solms 1. Preis, „VGP1 300P“ für eine VGP im I. Preis mit Punktzahl. Dazu kommen Zeichen wie HN für den Härtenachweis oder KS für Kurzhaar-Sieger.
Wenn du einen Prüfungstermin suchst, ist der nächste Schritt die Seite des Vereins in deiner Nähe. Im Norden veröffentlichen etwa der Klub Kurzhaar Nordmark e.V. und der Verein Deutsch Kurzhaar Westküste e.V. ihre Prüfungen selbst.
