Kurzhaar NordmarkDer Deutsch Kurzhaar im Norden
Ausbildung

Deutsch Kurzhaar Ausbildung: der Weg zur jagdlichen Brauchbarkeit

Die jagdliche Ausbildung des Deutsch Kurzhaar folgt einem Rhythmus, den die Prüfungsordnungen vorgeben: Anlagen im Frühjahr, Wasser und Bringen im Herbst, die Meisterprüfung danach. Dazu kommt die Brauchbarkeit, die mit dem Jagdrecht zu tun hat und nicht mit dem Zuchtbuch. Hier siehst du, wie beides zusammenhängt und welche Prüfung wann an der Reihe ist.

Veröffentlicht am 9 Min. Lesezeit Redaktion Kurzhaar Nordmark

Deutsch Kurzhaar trägt einen grünen Segeltuch-Dummy über eine Wiese (mit AI erstelltes Bild)
AIBringen beginnt mit dem DummyMit AI erstelltes Bild · KI-Hinweis

Brauchbarkeit und Verbandsprüfung: zwei verschiedene Dinge

Wer sich mit der Ausbildung eines Deutsch Kurzhaar beschäftigt, stolpert früh über zwei Begriffe, die oft durcheinandergehen.

Die jagdliche Brauchbarkeit gehört zum Jagdrecht. Die Bundesländer legen fest, bei welchen Jagdarten brauchbare Hunde eingesetzt werden müssen und wie ein Hund diese Brauchbarkeit nachweist. Es geht um den praktischen Einsatz im Revier, etwa bei der Nachsuche oder der Wasserjagd. Welche Prüfung dafür gilt und welche Verbandsprüfungen anerkannt werden, ist Ländersache. Verbindlich Auskunft gibt die zuständige Jagdbehörde oder der Landesjagdverband deines Bundeslandes.

Die Verbandsprüfungen dagegen sind Prüfungen der Jagdgebrauchshundverbände. Der Jagdgebrauchshundverband (JGHV) richtet über seine Mitgliedsvereine unter anderem VJP, HZP, VGP, Bringtreue- und Schweißprüfungen aus. Der Deutsch-Kurzhaar-Verband hat mit Derby, Solms, Alterszuchtprüfung, IKP und Kleemann-Zuchtauslese eigene Zuchtprüfungen. Diese Prüfungen dienen vor allem der Zucht: Sie zeigen, welche Anlagen ein Hund mitbringt und was er gelernt hat, und ihre Ergebnisse stehen später in den Ahnentafeln.

In der Praxis überschneiden sich beide Welten. Ein Kurzhaar, der eine VGP bestanden hat, kann im Revier fast alles, was die Jagd von ihm verlangt. Trotzdem lohnt es sich, die beiden Ziele getrennt zu denken. Die Brauchbarkeit ist die Eintrittskarte für den Einsatz. Die Verbandsprüfungen sind der Leistungsnachweis für die Rasse. Die Grundlage für beides legt die Erziehung.

Der Prüfungsweg im Überblick

Die Prüfungsordnungen geben dem Ausbildungsjahr einen festen Takt. Frühjahrsprüfungen fragen nach Anlagen, Herbstprüfungen nach dem, was der Hund gelernt hat. Die Übersicht zeigt die wichtigsten Stationen. Ausführliche Beschreibungen findest du im Bereich Prüfungen.

PrüfungAusrichterWannSchwerpunkt
DerbyDK-Verbandnur FrühjahrNase, Suche, Vorstehen, Führigkeit
VJPJGHVFrühjahr bis 1. MaiSpurarbeit, Nase, Suche, Vorstehen
SolmsDK-Verbandnur HerbstFeld, Wasser, Haarwildschleppe
HZPJGHVab 1. SeptemberAnlagen, Wasser, Bringen
VGPJGHVab 1. SeptemberWald, Wasser, Feld, Gehorsam
BTRJGHVAugust bis MärzFuchs bringen ohne Einwirkung

Die Bewertung ist nicht überall gleich. Beim DK-Verband gibt es Leistungsziffern von 0 bis 4, laut Allgemeinen Bestimmungen kann in den Anlagefächern von Feld und Wasser auch „hervorragend“ (4h) vergeben werden. Auf Derby und Solms ist das Ergebnis ein 1., 2. oder 3. Preis. Bei VJP und HZP arbeitet der JGHV mit einem Punktesystem bis 12, bestanden wird mit Punkten, nicht mit Preisen. Bei der VGP gibt es wieder Preise, dazu Punkte.

Daneben gibt es Prüfungen, die nicht an eine Saison gebunden sind, etwa die Schweißprüfungen.

Deutsch Kurzhaar sucht in schnellem Galopp ein Stoppelfeld ab (mit AI erstelltes Bild)
AIDie FeldsucheMit AI erstelltes Bild · KI-Hinweis

Im Frühjahr: Anlagen zeigen bei Derby und VJP

Die erste Prüfung fällt in das Frühjahr nach dem Wurfjahr. Zur Verbandsjugendprüfung (VJP) sind laut Prüfungsordnung des JGHV Hunde aus dem vorigen Kalenderjahr zugelassen, dazu Hunde, die bis zu drei Monate älter sind. Geprüft wird nur im Frühjahr bis einschließlich 1. Mai. Das Derby des DK-Verbands findet ebenfalls nur im Frühjahr statt, für Kurzhaar, die nach dem 1. Oktober des vorvergangenen Jahres gewölft wurden.

Beide Prüfungen schauen auf Anlagen, nicht auf Abrichtung. Bei der VJP sind das Spurarbeit und Nasengebrauch, die doppelt gewichtet werden, dazu Suche, Vorstehen und Führigkeit. Gehorsam und Schussfestigkeit werden geprüft. Beim Derby stehen Nase, Suche, Vorstehen und Führigkeit im Mittelpunkt. Eine Hasenspur verlangt die Derby-Ordnung nicht, eine sehr gute Spurarbeit wird aber mit dem „Andreas-Stern“ gewürdigt.

Was heißt das für die Ausbildung im ersten Winter? Der junge Hund soll viel sehen: Felder, Wiesen, Wild auf Distanz. Er soll lernen, mit hoher Nase weiträumig zu suchen und am Wild stehen zu bleiben. Und er soll führig sein, also mit dem Menschen zusammenarbeiten, ohne seine Selbstständigkeit zu verlieren.

Die Fächer, den Ablauf und die Bewertung im Detail erklärt die Seite zu Derby und VJP.

Im Herbst: Wasser, Schleppe und Bringen bei Solms und HZP

Der Sommer gehört dem Wasser und dem Bringen. Im Herbst folgt die zweite große Station. Die Verbands-Herbstzuchtprüfung (HZP) des JGHV findet ab 1. September statt. Laut Prüfungsordnung soll die Ausbildung in Feld und Wasser „zu dieser Zeit im Wesentlichen abgeschlossen sein“. Das ist ein klarer Hinweis darauf, wie viel zwischen Frühjahr und Herbst passieren muss.

Geprüft werden bei der HZP die Anlagefächer, darunter Spurarbeit, Nasengebrauch, Suche, Vorstehen, Führigkeit, Arbeitsfreude und das Stöbern mit Ente im deckungsreichen Gewässer. Dazu kommen Abrichtefächer: Verlorensuche im deckungsreichen Gewässer, Verlorensuche von Federwild, Haarwildschleppe, die Art des Bringens und Gehorsam.

Die Solms des DK-Verbands versteht sich als „Ergänzung und Erweiterung“ des Derbys und findet nur im Herbst statt. Sie verbindet Feldarbeit mit Wasserarbeit und der Haarwildschleppe. Das Prüfungsrevier muss laut Prüfungsordnung „ein ausreichend großes, mit Schilf bestandenes Wassergelände“ haben.

Für die Vorbereitung bedeutet das: Der Hund muss im Schilf stöbern, Ente und Federwild zuverlässig bringen und einer Schleppe von Hase oder Kanin sauber folgen. Wo das in der Praxis geübt wird und was die Richter sehen wollen, steht auf der Seite zu Solms und HZP.

Die VGP als Meisterprüfung

Die Verbandsgebrauchsprüfung (VGP) gilt als Meisterprüfung des Jagdgebrauchshundes. Sie findet laut Prüfungsordnung des JGHV ab 1. September statt, nie an einem einzigen Tag, und Hunde, die im selben Jahr gewölft wurden, sind nicht zugelassen. Frühestens möglich ist sie also im Herbst des Jahres nach dem Wurfjahr.

Die VGP gliedert sich in vier Fachgruppen:

  • Waldarbeit: Riemenarbeit auf der Übernacht- oder Tagfährte, Bringen von Fuchs über ein Hindernis, Hasen- oder Kaninchenschleppe, Stöbern, Buschieren
  • Wasserarbeit: Stöbern ohne und mit Ente, Verlorensuchen, Bringen von Ente
  • Feldarbeit: Nasengebrauch, Suche, Vorstehen, Manieren am Wild
  • Gehorsam: Leinenführigkeit, Folgen frei bei Fuß, Ablegen, Schussruhe und weitere Fächer

Das Ergebnis ist ein I., II. oder III. Preis, dazu eine Punktzahl. Daneben gibt es die Verbandsprüfung nach dem Schuss (VPS), die nach derselben Ordnung läuft und an einem Tag abgehalten werden kann. Wer die VGP bereits bestanden hat, darf zur VPS nicht mehr antreten.

Der Weg zur VGP ist der längste Abschnitt der Ausbildung, weil die Waldarbeit dazukommt. Riemenarbeit auf der Wundfährte lernt kein Hund nebenbei. Die Fächer und ihre Gewichtung erklärt die Seite zur VGP.

Deutsch Kurzhaar bringt im Wasser (mit AI erstelltes Bild)
AIBringen aus dem WasserMit AI erstelltes Bild · KI-Hinweis

Bringtreue und Schweißarbeit

Neben dem Hauptweg gibt es Prüfungen, die einzelne Fähigkeiten besonders genau ansehen.

Die Bringtreueprüfung (BTR) prüft laut JGHV die „besondere Zuverlässigkeit“ beim Bringen. Der Hund muss einen kalten Fuchs, der in einer Dickung ausgelegt ist, ohne Einwirkung seines Führers finden und bringen. Dafür hat er 20 Minuten. Geprüft wird im Wald zwischen August und März, drei Verbandsrichter bewerten. Ein Hund, der hier besteht, trägt das Leistungszeichen „Btr“. Wie die Vorbereitung aussieht, steht auf der Seite zur Bringtreue.

Die Verbandsschweißprüfung (VSwP) arbeitet mit einer künstlichen Schweißfährte von mindestens 1.000 Metern. Die Fährte steht 20 oder 40 Stunden, also mindestens über Nacht, und es wird höchstens ein Viertelliter Schweiß verwendet. Der Riemen ist mindestens 6 Meter lang. Die 40-Stunden-Fährte darf nur gehen, wer die 20-Stunden-Fährte bestanden hat. Bei der Verbandsfährtenschuhprüfung (VFsP) wird die Fährte mit Fährtenschuhen gelegt, mit höchstens 0,1 Liter Schweiß.

Für Schweißprüfungen hat der JGHV eine neue Prüfungsordnung beschlossen, die die bisherige ablösen wird. Vor der Meldung zu einer VSwP lohnt deshalb der Blick, welche Fassung gilt. Beides ist auf der Seite zur Schweißarbeit erklärt.

Warum Prüfungsergebnisse in der Zucht zählen

Beim Deutsch Kurzhaar sind Prüfungen kein Hobby neben der Zucht, sie sind ihr Fundament. Das Motto, das auf Prinz Albrecht zu Solms-Braunfels zurückgeht, heißt „Durch Leistung zum Typus“.

Laut Zuchtordnung des DK-Verbands darf ein Hund nur in die Zucht, wenn er eine Solms, AZP, HZP oder VGP mit vollständiger Wasserarbeit bestanden hat. Dazu kommen der Formwert mindestens „gut“ in der Altersklasse, der Härtenachweis beim Rüden, die HD- und OCD-Befunde und die DNA-Probe. Die Zuchtzulassung baut also direkt auf dem Ausbildungsweg auf. Wie das ineinandergreift, erklärt die Seite zur Zucht.

Die Ergebnisse tauchen als Kürzel in Ahnentafeln und Wurfmeldungen auf. Einige, die du oft lesen wirst:

  • D1 und S1: Derby beziehungsweise Solms mit 1. Preis
  • VGP1: VGP mit I. Preis
  • SW1 oder FS1: bestandene Schweiß- oder Fährtenschuhprüfung
  • BTR und VBR: Bringtreue und Verlorenbringernachweis
  • HN: Härtenachweis
  • KS: Kurzhaarsieger, der Titel der Kleemann-Zuchtauslese

Ganz oben stehen zwei Prüfungen des DK-Verbands. Die Internationale Kurzhaar-Prüfung verlangt Leistungen, die das übliche Solms-Niveau „erheblich übertreffen“. Die Dr. Kleemann-Zuchtausleseprüfung ist für besonders zuchtwichtige Hunde gedacht, und wer sie besteht, trägt den Titel Kurzhaarsieger. Eine Liste solcher Kürzel liest sich wie der Lebenslauf eines Hundes.

Im Norden anfangen: Reviere, Klubs und der erste Schritt

Schleswig-Holstein bietet für die Ausbildung eines Vorstehhundes viel von dem, was die Prüfungsordnungen verlangen. In der Eider-Treene-Sorge-Niederung gibt es ausgedehnte Röhrichte und feuchte Grünländer, auf der Marsch und im Östlichen Hügelland weite Ackerflächen. Wasser mit Schilf, wie es die Solms-Ordnung fordert, ist im Norden keine Seltenheit.

Ausgerichtet werden Zucht- und Verbandsprüfungen von den DK-Vereinen. In Schleswig-Holstein sind beim DK-Verband der Klub Kurzhaar Nordmark e.V., der Klub Kurzhaar Schleswig-Holstein e.V. und der Verein Deutsch Kurzhaar Westküste e.V. gelistet, dazu der Klub Kurzhaar Hamburg. Der Klub Kurzhaar Nordmark hat auf klub-kurzhaar-nordmark.de Prüfungsorte genannt, etwa Friedrichskoog, Fehmarn, die Wilstermarsch und den Raum Lübeck. Termine und Ausschreibungen veröffentlichen die Klubs selbst. Einen Überblick über die Klubs gibt die Seite zu Deutsch Kurzhaar in Schleswig-Holstein.

Der erste konkrete Schritt: Nimm im Winter vor der ersten Frühjahrsprüfung Kontakt zu einem dieser Vereine auf. Bis zur VJP ist dann noch Zeit, gemeinsame Übungstage zu finden und den jungen Hund unter fachkundigen Augen im Feld laufen zu lassen. Wie Kurzhaar und Familie im Alltag zusammenpassen, zeigt das Rasseporträt.

Kurz gefragt

Was ist der Unterschied zwischen Brauchbarkeit und VGP?

Die Brauchbarkeit ist ein Begriff aus dem Jagdrecht der Länder. Sie entscheidet, ob ein Hund bei bestimmten Jagdarten eingesetzt werden darf. Die VGP ist eine Verbandsprüfung des JGHV mit Wald-, Wasser- und Feldarbeit sowie Gehorsam. Ob und wie eine bestandene VGP für die Brauchbarkeit zählt, regelt jedes Bundesland selbst, deshalb lohnt die Nachfrage bei der zuständigen Stelle.

Wann beginnt die Ausbildung eines Deutsch Kurzhaar?

Die Grundlage legst du mit der Erziehung ab dem Einzug des Welpen. Die erste Prüfung, Derby oder VJP, folgt im Frühjahr nach dem Wurfjahr. Bis dahin geht es um Gehorsam, Führigkeit, das Kennenlernen von Feld, Wasser und Wild und die Arbeit mit der Nase. Sinnvoll ist es, schon im ersten Winter Kontakt zu einem DK-Verein aufzunehmen.

Welche Prüfungen braucht ein Deutsch Kurzhaar für die Zucht?

Laut Zuchtordnung des DK-Verbands muss ein Zuchthund eine Solms, AZP, HZP oder VGP mit vollständiger Wasserarbeit bestanden haben. Dazu kommen der Formwert mindestens „gut“ in der Altersklasse, der Härtenachweis beim Rüden, HD- und OCD-Befunde und die DNA-Probe. Derby und VJP allein reichen also nicht, sie sind aber der übliche Einstieg in den Prüfungsweg.

Kann ein Kurzhaar die VGP schon im ersten Herbst laufen?

Nein. Laut Prüfungsordnung des JGHV sind Hunde, die im selben Jahr gewölft wurden, zur VGP nicht zugelassen, und die Prüfung findet erst ab 1. September statt. Frühestens möglich ist sie also im Herbst des Jahres nach dem Wurfjahr. Ob der Hund dann schon bereit ist, hängt vom Stand der Wald- und Wasserarbeit ab.

Was ist eine Bringtreueprüfung?

Bei der Bringtreueprüfung (BTR) des JGHV muss der Hund einen in einer Dickung ausgelegten kalten Fuchs ohne Einwirkung des Führers finden und bringen. Er hat dafür 20 Minuten Zeit. Geprüft wird im Wald, von August bis März, mit drei Verbandsrichtern. Wer besteht, bekommt das Leistungszeichen „Btr“, das für besondere Zuverlässigkeit beim Bringen steht.