Solms und HZP: die Herbstprüfungen nach dem Derby
Im Frühjahr ging es um Anlagen. Im Herbst will man mehr sehen. Die HZP Prüfung, ausgeschrieben Verbands-Herbstzuchtprüfung, und die Solms des Deutsch-Kurzhaar-Verbands prüfen den jungen Hund zum ersten Mal am Wasser und beim Bringen. Damit wird aus dem Anlagentest eine Prüfung, die schon nach Jagdpraxis fragt.
Die Solms trägt einen historischen Namen. Prinz Albrecht zu Solms-Braunfels stellte laut FCI-Standard Nr. 119 Rassekennzeichen, Regeln für die Beurteilung der Körperform und einfache Prüfungsregeln für Jagdhunde auf. Sein Leitsatz „Durch Leistung zum Typus“ prägt die Kurzhaarzucht bis heute. Nach seinem Tod 1901 fand 1906 das erste „Prinz-Solms-Memorial“ als Herbstzuchtprüfung statt.
Auch die HZP hat Wurzeln im Kurzhaar. Der Verein Deutsch-Drahthaar hielt seine erste Hegewald-Herbstzuchtprüfung 1920 „auf den Grundsätzen der DK-Prüfungsordnung“ ab, und 1927 machte der JGHV Jugend- und Herbstzuchtprüfungen zu Verbandsprüfungen. Heute gilt für die HZP die Verbands-Zuchtprüfungsordnung (VZPO) des JGHV.
Viele Führer eines Deutsch Kurzhaar laufen beide Prüfungen. Wer mit seinem Deutsch Kurzhaar im Herbst die HZP plant, hat im Frühjahr meist schon Derby oder VJP hinter sich, danach folgt als Meisterprüfung die VGP. Wie die Stationen zusammenhängen, zeigt der Überblick Prüfungen für Jagdhunde.
Alter und Zulassung bei der HZP Prüfung
Beim Alter unterscheidet sich die HZP deutlich von der Solms. Das richtige Alter für die HZP regelt die VZPO über das Wurfjahr, nicht über Lebensmonate. Wer die Zulassung zur HZP Prüfung klären will, schaut deshalb zuerst ins Wurfjahr. Wer seinen Deutsch Kurzhaar meldet, sollte außerdem den Nennschluss des Klubs kennen und die Ausschreibung genau lesen.
Zugelassen sind:
- Hunde, die im vorangegangenen Kalenderjahr gewölft wurden,
- dazu Hunde, die bis zu drei Monate älter sind,
- und Hunde, die im selben Kalenderjahr gewölft wurden.
Geprüft wird nur im Herbst, frühestens ab dem 1. September. Die dritte Gruppe ist der interessante Fall. Ein Welpe aus den ersten Wochen des Jahres kann theoretisch schon im ersten Herbst seines Lebens auf die HZP. Ob damit schon das richtige Alter für die HZP erreicht ist, steht auf einem anderen Blatt, denn die VZPO geht davon aus, dass die Ausbildung in Feld und Wasser „zu dieser Zeit im Wesentlichen abgeschlossen sein“ soll.
Die Solms hat dieselbe Altersregel wie das Derby: Zugelassen sind Hunde, die nach dem 1. Oktober des vorvergangenen Jahres der Prüfung gewölft wurden. Auch sie findet ausschließlich im Herbst statt. Für das Altersfenster der HZP und die Solms gilt damit gemeinsam: Der typische Starter ist ein Hund aus dem Vorjahr, der im Frühjahr bereits ein Derby oder eine VJP gelaufen ist.
Wann und wo geprüft wird, geben die ausrichtenden Vereine bekannt. In Schleswig-Holstein sind das unter anderem der Klub Kurzhaar Nordmark e.V. und der Verein Deutsch Kurzhaar Westküste e.V.

HZP Prüfungsfächer und Fachwertziffern
Die VZPO teilt die HZP Prüfungsfächer in zwei Gruppen. Anlagefächer zeigen, was der Hund mitbringt. Abrichtefächer zeigen, was er gelernt hat. Jedes Fach hat eine Fachwertziffer, mit der seine Punkte gewichtet werden. Wer den Ablauf der HZP Prüfung und ihre Fächer kennt, kann im Sommer gezielt üben; die Gewichtung zu verstehen hilft später beim Lesen des Zeugnisses.
| Fach | Gruppe | Fachwertziffer |
|---|---|---|
| Spurarbeit | Anlage | 3 |
| Nasengebrauch | Anlage | 3 |
| Stöbern mit Ente im deckungsreichen Gewässer | Anlage | 3 |
| Suche | Anlage | 2 |
| Vorstehen | Anlage | 2 |
| Führigkeit | Anlage | 2 |
| Arbeitsfreude | Anlage | 1 |
| Verlorensuche im deckungsreichen Gewässer | Abrichtung | 1 |
| Verlorensuche von Federwild | Abrichtung | 1 |
| Haarwildschleppe | Abrichtung | 1 |
| Art des Bringens | Abrichtung | 1 |
| Gehorsam | Abrichtung | 1 |
Die Schussfestigkeit wird außerdem geprüft. Die Gewichtung ist eindeutig: Die drei schwersten Fächer sind Anlagen, und eines davon liegt am Wasser. Ein Hund, der das Schilf meidet, kann das mit sauberem Bringen nicht ausgleichen.
Bewertet wird wie bei der VJP im 12-Punkte-System des JGHV. In jedem Fach braucht der Hund mindestens „genügend“, also 3 Punkte. Am Ende steht kein Preis auf dem Zeugnis, sondern eine Punktzahl, in den Listen des DK-Verbands nach dem Muster „HZP 180P“.

Die Solms: Prüfungsfächer laut DK-Verband
Die Solms versteht sich laut Prüfungsordnung als „Ergänzung und Erweiterung“ des Derby. Ihre Prüfungsfächer sind deshalb breiter gefasst und in Arbeitsbereiche gegliedert:
- Feldarbeit: Nase, Suche, Vorstehen sowie die Arbeit am geflügelten Huhn oder Fasan, ersatzweise Verlorenbringen oder Federwildschleppe.
- Wasserarbeit: Verlorensuchen und Stöbern mit Ente im deckungsreichen Gewässer.
- Haarwildschleppe: mit Hase oder Kanin.
- Dazu bewertet: Art des Bringens, Führigkeit, Gehorsam, Arbeitsfreude und Art des Jagens.
Eine Vorschrift zeigt, wie ernst die Ordnung das Wasser nimmt. Die Prüfungsreviere müssen „ein ausreichend großes, mit Schilf bestandenes Wassergelände“ umfassen. Ein Teich mit kahlem Ufer reicht nicht. Für die ausrichtenden Klubs ist das jedes Jahr eine Revierfrage, denn geeignete Schilfgewässer mit Zustimmung der Eigentümer sind nicht überall zu haben.
Bewertet wird mit den Leistungsziffern des DK-Verbands: sehr gut = 4, gut = 3, genügend = 2, mangelhaft = 1, ungenügend = 0. „Hervorragend“, geschrieben 4h, ist nur in den Anlagefächern in Feld und Wasser möglich. Das Ergebnis ist ein 1., 2. oder 3. Preis, in Kurzform etwa S1 für „Solms 1. Preis“.
Für die Zucht zählt die Solms doppelt. Sie ist einer der Nachweise für die Zuchtzulassung, und zwei 1. Preise aus Derby, Solms oder AZP sind Voraussetzung für die Dr. Kleemann-Zuchtausleseprüfung.
Ablauf der HZP-Prüfung: Feld, Wasser, Schleppe
Der Ablauf der HZP Prüfung folgt den Fächern, nicht einer festen Uhrzeit. Die Prüfungsleitung teilt die Hunde auf Richtergruppen auf, und jede Gruppe arbeitet die Fächer in den passenden Revierteilen ab.
Im Feld stehen die Anlagen vorn. Die Richter sehen sich Suche, Vorstehen und Nasengebrauch an, prüfen die Spurarbeit und achten dabei auf Führigkeit und Arbeitsfreude. Die Verlorensuche von Federwild zeigt, ob der Hund ein Stück Wild selbstständig findet und bringt.
Am Wasser folgen die beiden Wasserfächer. Beim Stöbern mit Ente im deckungsreichen Gewässer soll der Hund ohne ständige Hilfe das Schilf durcharbeiten. Bei der Verlorensuche geht es darum, eine Ente zu finden und zu bringen.
Die Haarwildschleppe prüft, ob der Hund einer Schleppspur folgt und das Stück zum Führer trägt. Die Art des Bringens wird dabei über den ganzen Tag beobachtet: Greift der Hund sauber zu, trägt er ruhig, gibt er willig ab?
Gehorsam und Schussfestigkeit laufen nebenher mit. Wie lange ein Prüfungstag dauert, hängt von der Zahl der Hunde und vom Revier ab. Rechne mit einem vollen Tag draußen und plane Pausen für den Hund ein. Der Ablauf der Solms ähnelt dem stark, nur die Bewertung folgt der Ordnung des DK-Verbands.

Die HZP beim Deutsch Kurzhaar: warum die Zucht daran hängt
Wer sich mit der HZP beim Deutsch Kurzhaar beschäftigt, landet schnell bei der Zuchtordnung. Für die Herbstprüfung gibt es nämlich einen Grund, der über den Prüfungstag hinausgeht. Die Zuchtordnung des DK-Verbands verlangt für beide Elterntiere eine bestandene Solms, AZP, HZP oder VGP, und zwar mit vollständiger Wasserarbeit. Dazu kommen ein Formwert von mindestens „gut“ in der Altersklasse, HD-Ergebnis, OCD-Befund und weitere Nachweise.
Das macht die Herbstprüfung zum Nadelöhr. Ein Hund kann Derby und VJP glänzend bestanden haben, ohne Wasserarbeit wird er nicht zur Zucht zugelassen. Wer einen Welpen sucht, sieht deshalb in der Ahnentafel beider Eltern fast immer einen dieser Herbstnachweise. Was du dort sonst noch ablesen kannst, steht im Ratgeber zu Deutsch Kurzhaar Welpen.
Eine zweite Verbindung führt zur IKP. Die Internationale Kurzhaar-Prüfung erkennt eine HZP anstelle der Solms an, wenn der Hund in allen Fächern 9 bis 11 Punkte erreicht hat. Wer diesen Weg im Kopf hat, liest das Zeugnis einer HZP beim Deutsch Kurzhaar mit anderen Augen: Nicht nur die Summe zählt, sondern ob jedes einzelne Fach im oberen Bereich lag. Ein einziger Ausreißer nach unten schließt die IKP auf diesem Weg aus. Die Anforderungen der IKP stehen unter Internationale Kurzhaar-Prüfung.
Vorbereitung im Sommer vor der HZP Prüfung
Zwischen Frühjahrsprüfung und HZP Prüfung liegen nur wenige Monate, und in diese Zeit fällt der größte Teil der Abrichtung. Bringen, Schleppe und Wasserarbeit lernt ein Hund nicht nebenbei.
Drei Bereiche brauchen im Sommer die meiste Zeit:
- Wasserfreude und Schilf: Ein Hund, der im Juli zum ersten Mal ins Schilf soll, wird im September kaum sicher stöbern. Gewöhnung an tiefes Wasser und dichte Deckung braucht Wochen.
- Sauberes Bringen: Die Art des Bringens wird bei jedem Apport mitbewertet. Knautschen oder Fallenlassen kostet Punkte in mehreren Fächern.
- Schleppenarbeit: Erst kurze, dann längere Schleppen, damit der Hund lernt, der Spur bis zum Stück zu folgen.
In Schleswig-Holstein bieten sich dafür Landschaften mit viel Röhricht an. Die Eider-Treene-Sorge-Niederung etwa ist laut Land das größte zusammenhängende Niederungsgebiet außerhalb der Küstenregionen, mit Röhrichten, Flachseen und Überschwemmungswiesen. Dort darfst du allerdings nur mit Erlaubnis des Revierinhabers üben.
Wie Grundgehorsam und jagdliche Ausbildung über das erste Jahr zusammenpassen, beschreibt die Ausbildung des Deutsch Kurzhaar. Den Wortlaut der Fächer findest du in der Solms-Ordnung des DK-Verbands.
