Zwei Braques aus Deutschland
Unter allen Vergleichen auf dieser Website ist dieser der mit der größten formalen Nähe. Deutsch Kurzhaar und Weimaraner stammen beide aus Deutschland, die FCI führt beide in der Gruppe 7, Sektion 1.1, beide als Typ „Braque“, und beide mit dem Zusatz „mit Arbeitsprüfung“. Wer nur die Einordnung in der FCI-Nomenklatur liest, könnte sie für Geschwister halten.
Auf der Wiese sieht das anders aus. Ein grauer Hund neben einem braunen oder braunschimmeligen: Die beiden verwechselt niemand. Auch bei Größe, Gewicht und Haarvarianten gehen die Standards eigene Wege.
Die FCI unterscheidet bei den kontinentalen Vorstehhunden die Sektion 1.1 mit dem Typ „Braque“ und die Sektion 1.2, Typ „Langhaarig (Epagneul)“, zu der etwa der Kleine Münsterländer gehört. Dass es den Weimaraner als Braque trotzdem auch langhaarig gibt, ist eine der Besonderheiten dieser Rasse, dazu weiter unten mehr.
Gemeinsam ist beiden Rassen auch die Verwendung. Beim Deutsch Kurzhaar nennt der Standard sie ausdrücklich: „Vielseitig einsetzbarer Jagdgebrauchshund“. Mit Arbeit vor und nach dem Schuss, im Feld, im Wald und am Wasser. Ein Hund für die Couch ist keiner der beiden.
Grau gegen Braun: die Farbe als Erkennungszeichen
Der Weimaraner ist laut FCI-Standard Nr. 99 silber-, reh- oder mausgrau. Mehr Farben gibt es nicht. Die Unterschiede liegen in der Tönung, nicht in der Zeichnung.
Beim Deutsch Kurzhaar ist das Bild vielfältiger. Der Standard nennt Braun ohne Abzeichen und Braun mit geringen weißen oder gesprenkelten Abzeichen an Brust und Läufen. Dazu kommen dunkler Braunschimmel mit braunem Kopf und braunen Platten oder Tupfen, heller Braunschimmel und Weiß mit brauner Kopfzeichnung. Und schließlich Schwarz in denselben Nuancen. Gelber Brand ist zugelassen, Blesse und Schnippe ebenfalls.
Für dich als Interessent hat die Farbe zwei praktische Seiten. Die erste ist Geschmack, und der ist legitim: Du lebst zehn Jahre und mehr mit diesem Hund, er soll dir gefallen. Die zweite betrifft die Sichtbarkeit im Revier. Ein Hund, den du im Feld schnell wiederfindest, macht die Arbeit leichter, und welche Farbe in deinem Gelände besser zu sehen ist, hängt von Boden, Bewuchs und Jahreszeit ab.
Alle Farbschläge des Kurzhaars mit ihren genauen Bezeichnungen im Standard findest du auf der Seite zu den Farben.

Kurzhaar und Langhaar: der Weimaraner in zwei Varianten
Beim Deutsch Kurzhaar steckt die Haarart schon im Namen. Der Standard beschreibt das Haar als „kurz und dicht“, es „soll sich derb und hart anfühlen“. Eine langhaarige Form gibt es nicht. Der drahthaarige deutsche Vorstehhund ist eine eigene Rasse mit eigenem Standard, der Deutsch Drahthaar.
Der Weimaraner dagegen kennt laut FCI-Standard Nr. 99 zwei Haarvarianten: Kurzhaar und Langhaar. Beide gehören zur selben Rasse und zum selben Standard. Wenn du dich für einen Weimaraner interessierst, triffst du also eine zusätzliche Entscheidung, die dir beim Kurzhaar erspart bleibt.
Was bedeutet das für den Vergleich? Wer einen kurzhaarigen Weimaraner mit einem Deutsch Kurzhaar vergleicht, vergleicht zwei kurzhaarige Braques, bei denen Farbe und Größe den Unterschied machen. Wer einen langhaarigen Weimaraner im Kopf hat, sollte zusätzlich den Vergleich mit dem Kleinen Münsterländer lesen, weil dort ähnliche Fragen rund ums längere Haar eine Rolle spielen. Und wer zwischen kurzem und drahtigem Haar schwankt, findet im Drahthaar-Vergleich die Gegenüberstellung mit Unterwolle.
Größe und Gewicht: der Weimaraner-Standard nennt Kilogramm
Hier unterscheiden sich die Standards nicht nur in den Werten, sondern in der Methode. Der Kurzhaar-Standard regelt die Größe ausschließlich über die Widerristhöhe. Der Weimaraner-Standard nennt zusätzlich ein Gewicht.
| Merkmal | Deutsch Kurzhaar | Weimaraner |
|---|---|---|
| Widerrist Rüde | 62–66 cm | 59–70 cm |
| Widerrist Hündin | 58–63 cm | 57–65 cm |
| Gewicht Rüde | nicht festgelegt | ca. 30–40 kg |
| Gewicht Hündin | nicht festgelegt | ca. 25–35 kg |
Auffällig ist die Breite der Weimaraner-Spanne: 11 cm bei Rüden, 8 cm bei Hündinnen. Der Kurzhaar-Standard ist enger und strenger. Abweichungen von mehr als 2 cm von den genannten Höhen gelten dort als schwerer Fehler.
Das fehlende Gewicht beim Kurzhaar ist kein Versehen. Weder FCI noch DK-Verband legen eines fest. Gewichtsangaben im Netz stammen meist aus dem amerikanischen AKC-Standard, der für deutsche Zuchtbücher nicht gilt. Wie du Größe und Figur deines Kurzhaars trotzdem gut einschätzt, steht auf der Seite Größe und Gewicht.

Lebenserwartung in der britischen Studie
Für die Lebenserwartung gibt es eine belastbare Quelle, die beide Rassen erfasst: eine Studie mit Daten aus britischen Tierarztpraxen, 2024 in Scientific Reports veröffentlicht (McMillan et al.). Ihre Medianwerte:
- German Shorthaired Pointer (Deutsch Kurzhaar): 13,4 Jahre
- Weimaraner: 12,8 Jahre
- Median über alle Rassen der Studie: 12,5 Jahre
Beide Rassen liegen also über dem Durchschnitt aller Rassen. Der Kurzhaar etwas deutlicher, der Weimaraner knapper.
Wie viel sagt das aus? Weniger, als die Zahlen vermuten lassen. Die Daten stammen aus Großbritannien, aus einer anderen Hundepopulation mit anderen Linien. Ein Median beschreibt die Mitte einer Gruppe, nicht den einzelnen Hund. Für eine Kaufentscheidung ist es sinnvoller, sich die Gesundheitsregeln des jeweiligen Zuchtvereins anzusehen. Beim Kurzhaar verlangt die Zuchtordnung des DK-Verbands für beide Eltern unter anderem ein HD-Ergebnis von A1 bis B2 und eine freie Schulter (OCD), Epileptiker sind von der Zucht ausgeschlossen. Mehr dazu auf der Seite Gesundheit.
Zwei Standards, zwei Fassungen
Ein Detail, das in Vergleichen fast nie auftaucht: Die beiden Standards stammen aus verschiedenen Zeiten. Der gültige FCI-Standard des Deutsch Kurzhaar wurde am 25.10.2000 veröffentlicht, der deutsche Text ist auf den 29.11.2000 datiert. Der DK-Verband übernimmt ihn wortgleich als eigenen Rassestandard, es gibt also nur einen Standard für die Rasse.
Der aktuelle Standard des Weimaraners ist deutlich jünger: Er wurde am 19.03.2015 veröffentlicht. Zwischen den beiden Fassungen liegen also fast fünfzehn Jahre.
Für dich ist das vor allem dann wichtig, wenn du Beschreibungen aus Büchern oder älteren Websites liest. Formulierungen zu Farben, Größen oder Fehlern können sich zwischen Fassungen verschoben haben. Die verlässliche Quelle ist immer der aktuelle Text bei der FCI, für den Kurzhaar der Standard Nr. 119, für den Weimaraner der Standard Nr. 99. Beide sind als PDF frei abrufbar.
Welcher Hund zu welchem Menschen passt
Formal sind sie sich so nah wie kaum zwei andere Rassen in der Gruppe 7. Im Alltag trennen sie Farbe, Haarvariante und die Weite der Größenspanne.
Der Kurzhaar ist der Hund für Menschen, die einen kurzhaarigen Vorstehhund in Braun, Schimmel oder Schwarz suchen, mit eng geregelter Größe und einer Leistungszucht, die der DK-Verband mit festen Zulassungsregeln steuert. Sein Wesen beschreibt der Standard als „fest, ausgeglichen, zuverlässig“, mit „gezügeltem Temperament“. Wie sich das im Haus, mit Kindern und anderen Tieren zeigt, steht auf der Seite zum Charakter des Deutsch Kurzhaar.
Der Weimaraner passt zu Menschen, die das graue Haarkleid anspricht und die vielleicht auch mit einem langhaarigen Hund liebäugeln. Lies dafür den Abschnitt zu Verhalten und Charakter im Standard Nr. 99 selbst und sprich mit Menschen, die Weimaraner jagdlich führen.
Ein weiterer einfarbiger Vorstehhund, allerdings semmelgelb und aus Ungarn, ist der Vizsla.
